VON BAUM ZU
BAUM
Terry Fox
war ein kanadischer Leichtathlet und außerdem war er ein bewundernswerter
Aktivist für die Behandlung von Krebs in seinem Land.
Nachdem er
eines seiner Beine durch ein Knochensarkom
(Knochenkrebs) verloren hatte, entschied er sich, das Land zu durchkreuzen, um
Fonds für die Krebsforschung zu sammeln. Er hatte vor, eine Million kanadische
Dollars einzusammeln.
Er begann
seinen Lauf, der als Marathon der Hoffnung bekannt wurde, am
Nach 143
Tagen und an die 5.300 gelaufenen Kilometern, war er gezwungen, seinen Lauf
vorzeitig zu beenden. Der Krebs war bis in die Lungen eingedrungen; Fox starb
einige Monate darauf. Er war gerade 22 Jahre alt.
Dieser
„Marathon der Hoffnung“ brachte der Krebsforschung 360 Millionen kanadische
Dollars ein.
Es war ein
Courageakt eines Menschen, der sich ein Ziel in seinem Leben gesetzt hat, das
einen Lebenszweck für ihn darstellte.
Als ihn
einmal ein Reporter fragte, ob sein Vorhaben, sein Land zu Fuß zu durchqueren,
wegen seiner Behinderung nicht zu riskant wäre, antwortete er: Ich habe nie
behauptet, dass ich einen Marathon pro Tag laufen werde; ich habe mir jeden
Morgen, wenn ich aufstand, vorgenommen, bis zum nächsten Baum oder Pfosten zu
laufen und so, allmählich, von Baum zu Baum, von Pfosten zu Pfosten, würde ich
nach und nach die Strecke bewältigen. Und die Strecke, die ich gelaufen bin,
seien es 1,30 oder 42 Kilometer, ist nur das Ergebnis davon; am nächsten Morgen
nehme ich mir wieder vor, bis zum nächsten und übernächsten Baum oder Pfosten
zu laufen. Falle ich hin, bete ich zu Gott, dass er mir Kraft gibt, stehe auf
und laufe weiter. Unbekümmert der Schwierigkeiten und Schmerzen bleibe ich
meinem Vorsatz treu“. Und er endete mit den Worten: „Dadurch hat das Leben für mich
einen Sinn, denn ich habe mir ein Ziel gesetzt, welches erreichbar ist, ich
sehe es immer vor mir; und wenn ich es vielleicht auch nicht schaffen werde, an
den anfangs angestrebten Bestimmungsort anzukommen, so habe ich dadurch, dass
ich meine höchsten Anstrengungen angewandt habe, doch den Gipfel bezwungen.
Meine Entschlusskraft treibt mich vorwärts. Wenn es für mich auch eine große
Belastung ist und mir Schmerzen bereitet, so ist dies der Preis, den ich zahlen
muss für die Reise zu Fuß, für die ich mich spontan entschieden habe.“
Nimmt man sich weit entlegene Ziele vor,
verlieren sich diese mitten auf dem Wege oder sie scheinen mit der Zeit
unerfüllbar und entmutigen einen, bevor man sein Ziel erreicht.
Andere, größere Vorhaben, welche weitere Zwischenkalkulationen
und viele Vorbereitungen benötigen, erweisen sich als unausführbar und
verwirren einen.
Zuallererst
musst du wissen, was du vom Leben oder von einer bestimmten Situation
erwartest. Denn wer nicht weiß, was er will, kann keine Entscheidungen treffen.
Du musst
herausfinden, wozu du fähig bist und was für eine Rolle du in diesem Leben
spielst; denn wenn du dich nicht selbst genügend kennst, kannst du dir auch
nicht viel vornehmen. Genauso kann man nicht das Werkzeug vorher aussuchen,
bevor man nicht weiß, wozu man es überhaupt benutzen will. Wer nur nach außen
schaut, der träumt, wer in sich hineinschaut, der entdeckt viele Möglichkeiten.
Erleichtere dir das Leben in deinem Alltag,
schaffe dir keine unnützen Bedürfnisse, strebe nie nach mehr und immer
mehr; es bringt dich an den Rand deiner Kräfte, du verschwendest damit kostbare
Zeit, deine Anstrengungen werden unfruchtbar sein und du wirst unzufrieden sein
und eine tiefe Leere spüren; denn es ist eine unendliche, vergebliche Suche
nach dem Glück. Lege auf das, was du bereits besitzt, großen Wert; lebe so, wie
du bist und mit all deinem Wissen, ohne zu versuchen, dich selbst zu
übertreffen.
„Sein“ und nicht „haben“, ist das Geheimnis
des idealen Lebensstiles. Jeder Mensch sollte sich vornehmen, sein eigenes
Wesen zu vervollkommnen.
Beginne
damit, dir deinen Tag nach deinen Verpflichtungen einzurichten, denen du ihre
genügende Bedeutsamkeit beimessen solltest, im allgemeinen soll das bedeuten:
Achte auf dein und deiner Familie Wohlergehen und dies in allen Aspekten und
Notwendigkeiten, sei es seelisch oder körperlich, sowie auch im sozialen Sinne,
wie Schule, Beruf und Freizeit und beherzige aber auch deine Pflicht gegenüber
Gott.
Lebe gesund,
ernährungsbewusst; pflege deinen Körper, achte auf genügend Schlaf; genieße das
Alleinsein, nutze es zu Reflexionen, innerlichen Zwiespalt zu lösen oder nimm
ein interessantes Buch in die Hand. Aber da du in einer Familie lebst, widme
ihr deine Aufmerksamkeit, andererseits verlangt das soziale und religiöse Leben
auch Hingabe und Zeit.
Dies alles
verlangt eine kluge Einteilung, Tag für Tag, alle Tage. Je besser du deinen
Verpflichtungen nachgehst, desto besser wirst du dich fühlen, desto größer ist
dein Selbstbewusstsein. Tu dein Allerbestes.
Und überhaupt – das Sammeln von Erfahrungen auf der Erde ist kein
Zuckerschlecken. Der Mensch ist hier, um zu lernen. Er sollte diese
Möglichkeit, sein Wissen anzureichern, schätzen, und seinen Mitmenschen diese
Aufgabe so gut wie möglich erleichtern.
Die Gedanken
und Gefühle meistern zu können, ist ein Zeichen großer Weisheit. Es ist nicht
angebracht, gewissen Angelegenheiten oder Dingen größere Aufmerksamkeit zu
schenken und dadurch die anderen zu vernachlässigen. Wie viele Elternpaare sind
abwesend, weil ihr Beruf sie vollkommen beansprucht; sie vernachlässigen ihr
trautes Heim, die Familie, die Kinder; und manchmal scheinen sie gar die
Besucher zu sein; sie gehen ständig ein und aus, sind nie zugegen, in den wichtigsten
und entscheidend Momenten des Lebens ihrer Lieben? Sie werden zu Menschen, mit
denen man nicht rechnen kann.
Nichts
entschuldigt das Fernbleiben vom Familienleben, aber auch persönliche und
berufliche Interessen sollten beibehalten werden. Es muss alles sein Gleichmaß
haben.
Es kann
vorkommen, dass du in bestimmten Situationen mehr gefordert wirst; zum Beispiel
im Falle einer Krankheit, dadurch werden andere Verpflichtungen benachteiligt.
Dies ist momentan und geht vorüber.
Wenn du also
viele Verpflichtungen oder Probleme zu lösen hast, versuche sie nach
Prioritäten einzuordnen. Du solltest eine Übersicht von allem haben, was du
vorhast, was zu tun ist und das Motiv, oder besser gesagt: warum und weshalb
eines jeden Vorhabens.
Im
Prinzip sind dir alle Angelegenheiten wichtig, doch nicht alle müssen eilends
erledigt werden. Einige auf jeden Fall. Aber darunter sind jene, die sofort
erledigt werden müssen.
Darum machen
wir dir den Vorschlag, die Dinge, welche zu erledigen sind, in drei Gruppen
einzuteilen:
1) SOFORT ZU ERLEDIGEN- oder wenn du willst, nenne diese
Gruppe – SEHR EILIG;
2) EILIG
3) WICHTIG
Alles, was nicht in diese drei
Kategorien fällt, kann noch hinausgeschoben werden oder vielleicht sogar
annulliert werden.
Sorge dafür, dass Unruhe und
Nervosität dir fernbleiben. Nimm dir jedes Mal eine Verpflichtung oder ein
Problem vor; versuche sie in Ruhe nacheinander zu lösen. Dafür hast du dir die
Einteilung gemacht. Denn wenn du dir durch den Kopf gehen lässt, was du alles
zu erledigen hast und du alles auf einmal bewältigen willst, kommst du ganz
durcheinander, du wirst nervös und wirst nichts zur allgemeinen Zufriedenheit
erledigen.
Also los! Auf zum täglichen
Fortschritt! Nimm dir einen „Baum“ nach den anderen vor. Und dass dieser „Baum“
auch auf die Stufe höchster Priorität gesetzt wurde.
Wir möchten hier noch folgendes Zitat
von Jacob Riis wiedergeben:
WENN NICHTS MEHR ZU HELFEN SCHEINT,
SCHAUE ICH EINEM STEINMETZ ZU, DER VIELLEICHT 100 MAL AUF SEINEN STEIN
EINHÄMMERT, OHNE DASS SICH AUCH NUR DER GERINGSTE SPALT ZEIGT. DOCH BEIM 101.
SCHLAG WIRD ER ENTZWEIBRECHEN, UND ICH WEISS, DASS ES NICHT DIESER SCHLAG WAR,
DER ES VOLLBRACHT HAT – SONDERN ALLE SCHLÄGE ZUSAMMEN.
Jacob Riis
Quelle:
Von Silmar O. Silva geschrieben für die Zeitschrift „Presença Espírita“. Ed.
Juli/August 2006.