Joseana war ernsthaft krank. Sie hatte ein Problem
mit den Nieren. Die Krankheit rückte unerbittlich vor.
Sie war eine überzeugte Spiritistin. Sie nahm an
einer spiritistischen Gruppe teil, und unterrichtete dort die Kinder gern.
Ihre Krankheit zwang sie, ihre Tätigkeit in der
Gruppe zu unterbrechen.
Sie fühlte sich depressiv, entmutigt, und
akzeptierte fast die Tatsache, dass sie bald ins Jenseits gehen würde, trotz
aller ihrer Bemühungen, im Leben zu bleiben. Sie hatte doch drei Kinder zu
erziehen und eine schöne Aufgabe in der Gruppe.
Dann kamen die Träume. Sie sah sich selbst in
Krankenhäusern, wo sie behandelt wurde, durch unbekannte Geräte, die
offensichtlich durch Magnetismus betrieben wurden. Die Erinnerungen an die
Träume waren fragmentarisch. Nur weniges konnte sie sich merken. Ein Detail
blieb aber in ihrem Gedächtnis: man sagte ihr, sie würde von ihrem Sohn Mauro
geheilt.
Das Resultat dieser Behandlungen zeigte sich bald.
Joseana gewann Mut durch die Träume. Es ging ihr besser. Die Schwäche nahm
wahrnehmbar ab. Sie hatte wieder Appetit. Sie kehrte in die Gruppe zurück. In
einigen Monaten erholte sie sich völlig.
Es blieben aber die Erinnerungen einer schwierigen
Erfahrung, die sicherlich mit den Fehlern eines vergangenen Lebens zu tun
hatte, und einer merkwürdigen Enthüllung: der Sohn war der Agent ihrer Heilung.
Warum? Wie? Er war kein Arzt oder Wundertäter. Er
war einfach ein geliebtes Kind, sechs Jahre alt, wie Júnior, auch sechs, und
Magali, fünf Jahre alt. Die Jungen waren kein Zwillingspaar. Es gab einen
Altersunterschied von drei Monaten zwischen beiden. Etwas, was man erklären
kann: Mauro wurde adoptiert. Ein verlassenes Kind... Er kam zu ihnen, als sie
im sechsten Monat einer komplizierten Schwangerschaft war. Sie hatte Schmerzen
und es bestand die Gefahr einer Fehlgeburt. Trotzdem verliebte sie sich in das
Findelkind. Ihr Mann, ein großzügiger und sensibler Mensch, war auch bewegt. So
wurde die Familie in wenigen Monaten mit zwei Jungen bereichert.
Sie wünschte aber sehr zu erfahren, was Mauro mit
ihrer Heilung zu tun hatte. In der spiritistischen Gruppe fragte sie einen
spirituellen Freund, der Juvêncio hieß. Juvêncio war der Geistführer der
mediumistischen Arbeit. Der liebe Geist hörte ihr aufmerksam zu und erklärte:
- Wirklich, meine Tochter, dank dem Jungen, hast du
die Heilung erlangt. Es wäre ein Teil deiner Prüfungen auf der Erde gewesen,
früh ins Jenseits zurückzukehren. Dadurch wären deine irdischen Träume und
Ideale frustriert worden. Aber als du den Kleinen aufgenommen hast, und ihm
äußerste Zuneigung widmetest, obwohl du eine schwierige Schwangerschaft
hattest, hast du einen Teil des Karmas wiedergutgemacht. Deine heutige
Inkarnation wurde dann um einige Jahrzehnte verlängert. Du wirst die Freude
haben, deine Kinder aufwachsen zu sehen, und sie zu orientieren. Außerdem gibt
es viel Arbeit für dich in der spiritistischen Gruppe.
Sie war gerührt und ließ einige Tränen fließen.
Juvêncio sagte weiter:
- Freue dich darauf! Viele Leute kommen frühzeitig
in die spirituelle Welt zurück, nachdem sie ihre physischen Körper durch
undiszipliniertes Denken und unausgeglichenes Verhalten schwer geschädigt
haben. Du bist einer der seltenen Menschen, deren Aufenthalt auf der Erde ein
verheißungsvolles Investment Gottes ist.
So hat Joseana verstanden, dass, indem sie einem
Kind geholfen hat, sie sich selbst geholfen hat.
Die karmischen Erfahrungen sind keine blinde
Bestimmung. Das Leiden ist nicht das einzige Mittel, unsere Schuld der
Vergangenheit zu bezahlen.
Wir können unsere Möglichkeiten, auf der Erde
glücklich zu werden, erweitern, wenn wir das Gute tun. Das Gesetz von „Ursache
und Wirkung“ wird abgeschwächt, und wir können sogar eine längere und
produktive Existenz verdienen.
Das ist keine Neuheit. Simon Petrus sagte in seinen
ersten Brief an die christliche Gemeinschaft :
„ Die Liebe deckt viele Sünden zu“.