Haben die Geister auch etwas anderes
zu tun, als sich persönlich zu vervollkommnen?
Sie wirken an der Harmonie des Alls mit, indem sie Gottes Willen ausführen.
Das geistige Leben ist eine fortwährende Beschäftigung, die aber nichts
Mühsames an sich hat, wie auf Erden, weil es weder eine leibliche Ermüdung noch
eine Angst der Bedürfnisse gibt.
Befinden sich die Geister höchster Ordnung, da sie sich ja nichts mehr zu erwerben brauchen, im Zustande absoluter Ruhe oder haben sie auch Beschäftigungen?
Eine ewige Untätigkeit wäre eine ewige Strafe.
Was ist denn das Wesen ihrer
Beschäftigungen?
Gottes Befehle empfangen, sie im All zu verbreiten und über ihre
Durchführung zu wachen.
Werden die Beschäftigungen der Geister durch nichts unterbrochen?
Durch nichts, wenn man darunter versteht, daß ihr Denken unterbrochen tätig
ist, denn sie leben von den Gedanken. Man darf dieses aber nicht materiell
betrachten: Die Tätigkeit an sich ist für sie Genuß, denn sie stiften Nutzen
durch ihr Bewußtsein.
Bei den guten Geistern ist dies
begreifbar, aber verhält es sich auch so bei den niederen ?
Die niederen Geister haben ihrer Natur angepaßte Beschäftigungen. Vertraut ihr Handlangern die arbeiten
gebildeter Menschen an?
Gibt es unter den Geistern welche, die müßig sind oder sich mit nichts Nützlichem beschäftigen?
Ja, aber dieser Zustand ist ein vorübergehender und der Entwicklung ihres
Erkenntnisvermögens untergeordnet. Aber dieser Müßiggang lastet schwer auf
ihnen und früher oder später erweckt die Sehnsucht nach Fortschritt in ihnen
das Bedürfnis der Tätigkeit. Wir reden von Geistern, die zum Selbstbewußtsein
und zur Willensfreiheit durchgedrungen sind. Bei ihrem Ursprung gleichen sie
den neugeborenen Kindern, die mehr durch Instinkt als durch einen bestimmten
Willen tätig sind.
Worin bestehen die Sendungen der Wandergeister?
Sie sind so verschieden, daß es unmöglich ist, sie zu benennen. Es gibt
übrigens auch solche, die ihr gar nicht begreifen würdet. Die Geister
vollziehen den Willen und die Pläne Gottes und ihr könnt nicht in alle seine
Pläne eindringen.
(Die Sendungen der Geister haben
stets einen guten Zweck. Ob als Geister oder Menschen, stets dient ihr Wirken
dem Fortschritt. Im engeren Kreise haben sie z. B. Wege für bestimmte
Ereignisse zu ebnen und über die Ausführung bestimmter Dinge zu wachen.
Persönliche oder ganz lokale Sendungen führen sie als Helfer zu Betrübten,
Kranken und sterbenden. Vorbereitungen auf eine kommende Sendung als
Schutzgeist, Ausstrahlung von Ratschlägen und guten Gedanken können sie
beschäftigen. Unzählige Interessen gibt es für sie in der physischen und
moralischen Welt zu überwachen.)
Durchschauen die Geister immer die Pläne, die sie mit ihren Sendungen ausführen?
Nein, es gibt solche, die nur blinde Werkzeuge sind, andere wieder wissen
wohl, zu welchem Zwecke sie handeln.
Führen nur erhabene Geister Sendungen aus?
Die Wichtigkeit der Sendungen steht im Verhältnis zu den Fähigkeiten und
der Höhe des Geistes.
Wird einem Geiste die Sendung auferlegt oder hängt sie von seinem Willen ab?
Er bittet um sie und ist glücklich, wenn er sie erhält.
Kann die gleiche Sendung auch von
mehreren Geistern verlang werden?
Ja, es gibt manchmal mehrere Bewerber, aber nicht jeder wird angenommen.
Worin besteht die Sendung der inkarnierten Geister?
Die Menschen zu bilden, ihren Fortschritt zu fördern, ihre Einrichtungen zu
vervollkommnen. Die Sendungen sind aber
mehr oder weniger allgemein und wichtig. Wer den Boden bebaut, erfüllt eine
Sendung so gut wie der Regierende oder Lehrende. In der Natur hängt alles
aneinander. Während der Geist sich durch seine Inkarnation reinigt, trägt er
gleichzeitig zur Ausführung der Pläne Gottes bei. Jeder hat auf Erden seine
Sendung, weil jeder nützlich sein kann.
Was kann die Sendung jener Menschen sein, die auf Erden freiwillig nichts nützen wollen?
Solche Leute, die nur sich selbst leben, gibt es. Es sind arme Wesen, die
man beklagen muß. Sie werden schmerzlich für ihre freiwillige Zeitvergeudung
büßen müssen und ihre Züchtigung beginnt oft schon auf Erden mit Langeweile und
Lebensüberdruß.
Da sie doch die Wahl hatten, warum zogen sie ein Leben vor, das sie in keiner Hinsicht fördern konnte?
Auch unter den Geistern gibt es Träge, die vor einem Leben voller Arbeit
zurückschrecken. Gott läßt sie gewähren. Später werden sie auf eigene Kosten
die Nachteile ihres unnützen Lebens einsehen. Vielleicht hatten sie auch ein
nützlicheres Leben gewählt, aber einmal an der Arbeit, schreckten sie davor zurück und ließen sich
von bösen Geistern zum Müßiggang ermutigen.
Die einfachen Beschäftigungen erscheinen uns eher als Pflichten, denn als Sendungen. Die Sendung. Nach der dem Worte beigelegten Bedeutungen, hat einen weniger persönlichen Charakter. Wie kann man in dieser Beziehung erkennen, ob ein Mensch eine wirkliche Sendung auf der Erde hat?
An den großen dingen, die er vollführt, an den Fortschritten, die er andere
Menschen machen läßt.
Sind Menschen, die eine wichtige Sendung haben, schon vor ihrer Geburt dazu vorausbestimmt und haben sie Kenntnis davon?
Zuweilen ja, gewöhnlich aber wissen sie es nicht. Kommen sie zur Erde,
haben sie einen unbestimmten Zweck. Ihre Sendung zeichnet sich erst nach ihrer
Geburt und je nach den Umständen ab. Gott führt sie auf den Weg, wo sie seine Pläne
ausführen sollen.
Wenn ein Mensch etwas Nützliches tut, geschieht dies dann immer kraft eines früheren vorausbestimmten Auftrages, oder kann er auch einen nicht vorausgesehenen Auftrag empfangen?
Nicht alles, was ein Mensch tut, ist die Folge einer vorausbestimmten
Sendung. Oft ist er nur das Werkzeug
der Hand eines Geistes, der etwas Nützliches ausführen will. Meint er, er
würde, wenn inkarniert, ein bestimmtes Buch schreiben, sucht er den geeigneten
Menschen, der seine Ideen begreift und ausführt, gibt ihm dieselben ein und
leitet ihn bei der Ausführung. So ist dieser nicht mit der Sendung, dies Werk
zu schreiben, zur Erde gekommen. So verhält es sich auch manchmal mit
künstlerischen Arbeiten und mit Entdeckungen. Während des Schlafes verkehrt ja der
inkarnierte Geist mit dem Wandergeist unmittelbar und sie können sich über die
Ausführung verständigen.
Kann ein Geist durch seine eigenen Fehler eine Sendung nicht erfüllen? Ein Beispiel
Ja, wenn er kein höherer Geist ist.
Welches sind dann die Folgen für
ihn?
Er muß seine Aufgabe nochmals vornehmen, das ist seine Strafe, und außerdem
hat er noch die Folgen verursachten Übels zu tragen.
Da der Geist seine Sendung doch von Gott empfängt, wie konnte Gott sie ihm, da er verfehlen konnte, anvertrauen?
Gottes Pläne beruhen, wenn sie richtig sind, nicht auf denen, die ihr Werk
mitten in der Arbeit verlassen könnten. Für euch liegt die ganze Frage in
Gottes Kenntnis der Zukunft, die euch jedoch nicht gegeben ist.
Hat der Geist, der sich zur Erfüllung einer Sendung inkarniert, denselben Begriff von der Sache wie der, welcher sie als eine Prüfung übernimmt?
Nein, er hat die Erfahrung.
Die Menschen, die für ihr Geschlecht ein Licht sind, haben gewiß eine Sendung. Es gibt nun aber unter ihnen auch solche, die sich irren und neben großen Wahrheiten auch große Irrtümer verbreiten. Wie muß man ihre Sendung auffassen?
Als durch sie selbst gefälscht. Sie waren der Aufgabe, die sie übernommen,
nicht gewachsen. Doch muß man auch den Umständen Rechnung tragen. Sie mußten
reden, wie ihre Zeit es mit sich brachte und eine Lehre, die uns irrig
erscheint, konnte für ihre Zeit genügen.
Kann man die Vaterschaft als eine Sendung betrachten?
Unstreitig ist sie eine Sendung. Zugleich ist sie eine sehr hohe Pflicht,
denn sie nimmt der Verantwortlichkeit des Menschen für die Zukunft mehr in
Anspruch als ihr denkt. Gott stellt das Kind unter die Vormundschaft der
Eltern, daß diese es auf dem Wege des Guten leiten. Es gibt aber Eltern, denen
mehr daran gelegen ist, die Bäume ihres Gartens zu stutzen, als den Charakter
ihres Kindes zu formen. Unterliegt das Kind durch ihre Fehler, werden sie die
Strafe dafür zu tragen haben und die leiden des Kindes im künftigen Leben
fallen auf sie zurück.
Wenn ein Kind
trotz der Bemühungen der Eltern nicht gut ausfällt, sind diese dann auch
verantwortlich?
Nein, je schlimmer jedoch die Neigungen des Kindes, desto schwerer ist ihre Aufgabe und desto größer ihr Verdienst, wenn es gelingt, das Kind von bösen Wegen abzubringen.
Quelle: Buch der Geister – Allan Kardec – Kap. X
Über die Sendungen(dazu Beispiele) Geschichte Nr.1 Geschichte Nr.2