Die Gedanken

 

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen“ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Matthäus.

 

Das Wort Ehebruch soll hier nicht in dem wortwörtlichen Sinn verstanden werden , sondern in einem weiteren Sinne. Jesus hat sie oftmals benutzt, um das Schlechte, die Laster und alle niederen Gedanken zu deuten.

Die wahre Reinheit befindet sich nicht nur in den Taten, sondern auch in den Gedanken, weil wer ein reines Herz hat, nicht einmal an etwas Schlechtes denkt. Das ist es, was Jesus sagen wollte, wenn er die Laster selbst in Gedanken verurteilt, weil das ein Zeichen der Unreinheit ist.

 

Leiden wir an den  Folgen eines schlechten Gedankens, selbst wenn wir ihn nicht in die Tat umgesetzt haben?

Wir müssen hier einen wichtigen Unterschied machen: Je nachdem, wie sich die Seele auf dem schlechten Weg verschuldet hat und welche Fortschritte sie auf dem Weg in ihrem spirituellen Leben macht, wird sie aufgeklärter und  nach und nach von der Unvollkommenheit befreit, je nach dem größeren oder kleineren Willen, der sie bewegt, weil sie ihren freien Willen zur Verfügung hat. Alle schlechte Gedanken sind das Resultat der Unvollkommenheit der Seele. Abhängig von dem Willen, den sie hat, sich zu bessern, verwandelt sich sogar der schlechte Gedanke für sie in ein Motiv des Fortschrittes, weil sie dann versucht, sich ihm zu widersetzen. Sie gibt dann der Versuchung nicht nach, einem  schlechten Wunsch nachzugeben. Nachdem sie ihm widerstand hat, wird sie sich stärker fühlen und mit ihrem Sieg zufrieden sein.

Derjenige, jedoch, der sich nicht bessern will,  sucht Gelegenheiten, schlechte Taten auszuüben. Selbst wenn er seinen schlechten Wunsch   nicht ausübt, geschieht das nicht aufgrund ihres Willens, sondern weil sie keine passende Gelegenheit dazu hatte. Damit ist sie genauso schuldig, als hätte  sie diese Schlechtigkeit getan.

 

Um es kurz zu fassen: Wer noch nicht ein Mal das Schlechte in Gedanken akzeptiert, hat schon Fortschritte gemacht. Derjenige, der diese Gedanken hat, diesen aber widersteht, ist dabei Fortschritte zu machen; und schließlich derjenige, der diese Gedanken hat und Genuss daran findet, befindet sich doch unter dem vollen Einfluss der Bösartigkeit.

 

 

Quelle:

Aus dem Buch : „Das Evangelium im Licht des Spiritismus“ Allan Kardec