Von den Medien und ihren verschiedenen Arten

 

Jeder Mensch, der den Einfluss der Geister empfindet, ist bereits mehr oder weniger Medium.  Diese Fähigkeit ist kein Privilegium, sie ist dem Menschen angeboren.  Da man diese Anlagen bei fast allen Menschen findet, kann man sagen, fast jeder Mensch ist ein Medium.  Bei der Ausübung dieser Fähigkeit schreibt man diese Eigenschaft allerdings nur jenen zu, die diese Medialität deutlich ausgesprochen besitzen, so dass sie sich durch offenbare Wirkungen von gewisser Bedeutung äußert.  Dies hängt von einer mehr oder weniger empfindsamen Organisation des Körpers ab.

Man muss noch bemerken, dass sich diese Gabe nicht bei allen Medien auf die gleiche Art kundgibt.  Gewöhnlich haben sie besondere Befähigung für diese oder jene Art von Erscheinungen, was ebenso viele Abarten bedeutet, wie es Manifestationsarten gibt.  Die häufigsten sind:

Medien für physische Wirkungen, sensitive oder eindrucksfähige Medien, hörende, sprechende, sehende, somnambule, heilende, schreibende oder psychographische und pneumatographische Medien für direkte Schrift.  Wir wollen sie hier im Einzelnen betrachten:

 

Physikalische Medien

 

Die Medien für physische Wirkungen sind besonders befähigt, materielle Phänomene hervorzubringen, wie Bewegung lebloser Körper, Laute, Geräusche usw.  Man kann sie in freiwillige und unfreiwillige Medien einteilen.

 

Die freiwilligen Medien sind jene, die von ihrer Kraft Kenntnis besitzen und die spiritistischen Phänomene durch einen Akt ihres Willens hervorbringen.  Obwohl diese Gabe dem menschlichen Geiste angeboren ist, besitzen sie bei weitem nicht alle im gleichen Grade.  Selten sind auch die Medien, die für große Wirkungen begabt sind, die das Aufheben schwerer Körper in der Luft, die Übertragung eines Gegenstandes durch die Luft, und besonders Geistererscheinungen hervorzubringen imstande sind.  Die einfachsten Kundgebungen sind die der Bewegung eines Gegenstandes oder Tischchens, ferner die Schläge, die entweder durch das Heben dieses Gegenstandes oder in ihm bewirkt werden. Zu bemerken ist noch, dass die Fähigkeit, materielle Effekte hervorzubringen, nur selten bei jenen Medien besteht, denen bessere Mittel zu Mitteilungen zu Gebote stehen, wie die Schrift und das Wort. 

 

Die unfreiwilligen oder natürlichen Medien sind solche, deren mediale Begabung ohne ihr Wissen zustande kommt oder besteht.  Sie haben keine Kenntnis von ihrer Macht und oft erscheint ihnen das Ungewöhnliche, das um sie herum geschieht, gar nicht außerordentlich.  Es bildet einen Teil ihrer selbst, wie bei Personen, die für ein doppeltes Gesicht befähigt sind und nicht daran zweifeln.  Diese Medialität findet man in jedem Alter und oft bei sehr jungen Kindern.

Die Gabe unfreiwilliger Medialität ist an sich nicht das Zeichen einer Krankheit, denn sie geht oft mit einer vollkommenen Gesundheit Hand in Hand.  Ist derjenige, der sie besitzt, krank, so rührt dies von einer anderen Ursache her.  Therapeutische Heilmittel und Arzneien sind unvermögend, Medialität zu beseitigen.  Sie kann in vielen Fällen Folge einer gewissen organischen Schwäche sein, doch ist dies nie eine wirksame Ursache.  Man soll daher aus Gesundheitsrücksichten keine Furcht haben, üble Folgen können nur entstehen, wenn diese Personen ausübende Medien werden und mit ihren Gaben Missbrauch treiben.  Denn dann würde bei ihnen eine zu starke Ausströmung des Lebens-Fluidums stattfinden und infolgedessen eine Schwächung der Organe erfolgen.  Wer mit solchen Erscheinungen vertraut ist, weiß übrigens, dass sie mehr der moralischen als der physischen Ordnung angehören, und dass man ihre Lösung vergeblich in unseren exakten Wissenschaften suchen würde.

Gerade darum, weil sich diese Phänomene an die moralische Ordnung anschließen, muss man mit großer Sorgfalt alles vermeiden, was die Einbildungskraft anregen kann, denn man kennt die Folgen, die durch Furcht entstehen können, sie können sogar töten!

Eine der durch Verschiedenheit und Fremdartigkeit der Erscheinungen bedeutendsten Tatsachen ist ohne Widerrede die, welche im Jahre 1852 in Palatinate (Rheinbayern, zu Bergzabern, nahe bei Weissenburg) stattgefunden hat.  Sie ist um so merkwürdiger, als sie beinahe und zwar bei einer einzigen Person alle Gattungen der Manifestationen spontaner Art vereinigt.  Ein Gepolter bis zur Erschütterung des Hauses, Umstoßen von Möbeln, durch eine unsichtbare Hand von weither geschleuderte Sachen, Visionen und Geistererscheinungen, Somnambulismus, Ekstase, Starrkrampf, elektrische Anziehung, Geschrei und Gesangstöne, spielende Instrumente ohne Berührung usw. und was von einer nicht geringeren Wichtigkeit ist, die Erhärtung dieser Tatsachen beinahe zwei Jahre lang durch ununbestechliche Augenzeugen, welche vermöge ihres Wissens und vermöge ihrer sozialen Stellung glaubwürdig sind.  Die authentische Darstellung derselben ist zu jener Zeit in mehreren deutschen Zeitungen veröffentlicht worden; und namentlich in einer heutzutage vergriffenen und sehr seltenen Broschüre.  Man findet die vollständige Übersetzung in der "Revue spirite' vom Jahre 1858 mit dem nötigen Kommentare und den nötigen Erklärungen.  Nach unserem Wissen ist das die einzige französische Zeitungsnotiz, welche hierüber erschien.  Außer dem anziehenden Interesse, welches sich an diese Phänomene knüpft, sind sie sehr lehrreich in Bezug auf das praktische Studium des Spiritismus.

 

Sensitive oder eindrucksfähige Medien

 

So nennt man Personen, die befähigt sind, die Anwesenheit der Geister durch einen unbestimmten Eindruck, eine Art von Frösteln durch alle Glieder, wovon sie sich keine Rechnung geben können, wahrzunehmen.  Diese Kategorie hat keinen entschiedenen Charakter.  Fast alle Medien sind dieses Eindrucks fähig, es ist daher mehr eine allgemeine als besondere Eigenschaft.  Sie ist die Grundfähigkeit für die Entwicklung medialer Eigenschaften und unterscheidet sich von der rein physischen und nervösen Eindrucksfähigkeit, mit der man sie nicht verwechseln darf.  Es gibt Menschen, die keine empfindsamen Nerven haben und dennoch mehr oder weniger die Anwesenheit der Geister fühlen, während andere sehr empfindsame sie nicht wahrnehmen.  Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Gewohnheit und kann zu einer Feinheit gelangen, dass der damit Begabte an dem Eindruck nicht nur die gute oder schlechte Beschaffenheit des Geistes an seiner Seite, sondern auch seine Individualität erkennt, wie der Blinde die Annäherung dieser oder jener Person empfindet.  Ein guter Geist macht bei seiner Annährung immer einen sanften, angenehmen Eindruck auf das Medium, ein böser dagegen wirkt peinlich, angstvoll und unangenehm, es ist wie eine unreine Witterung.

 

Hörende Medien

 

Sie hören die Stimme der Geister, wie eine innere Stimme.  Ein andermal wiederum ist es eine äußere Stimme, so klar und deutlich wie die einer lebenden Person.  Ein hörendes Medium kann also mit den Geistern in eine Unterhaltung oder ein Gespräch treten.  Wenn sie gewohnt sind, mit bestimmten Geistern zu verkehren, erkennen sie dieselben am Klang und am Tonfall ihrer Stimme. Diese Gabe gehört zu den angenehmsten, wenn das Medium nur die guten Geister hört oder zumindest nur jene, die es ruft.  Wenn es aber ein böser Geist verfolgt, der alle Minuten die widerlichsten, unflätigsten und unanständigsten Sachen hören lässt, ist es eine wahre Belästigung. 

 

Sprechende Medien

 

Die hörenden Medien, die nur das übertragen, was sie hören, sind keine sprechenden Medien.  Letztere hören oft gar nichts, bei ihnen wirkt der Geist auf die Sprachorgane, wie er bei schreibenden Medien auf die Hand wirkt.  Will ein Geist sich mitteilen, so bedient er sich jenes Organs, das beim Medium am biegsamsten ist.  Bei dem einen leiht er sich die Hand, bei dem andern die Stimme, und bei einem dritten das Gehör.  Das sprechende Medium spricht gewöhnlich ohne Bewusstsein dessen, was es redet, und manchmal sagt es Sachen, die weit über seine Kenntnisse und seine gewöhnlichen Gedankengänge hinausgehen, die sogar den Grad seiner Intelligenz übersteigen.  Obwohl es sich bei Wachheit und in seinem normalen Zustande befindet, behält es selten die Erinnerung an das, was es sagte.  Der Mund ist bei ihm nur Werkzeug, dessen sich der Geist bedient, mit dem eine andere Person in Verkehr treten kann wie durch ein hörendes Medium. 

 

Sehende Medien

 

Sehende Medien sind mit der Fähigkeit begabt, Geister zu sehen.  Es gibt deren solche, die diese Gabe als Normalzustand besitzen, also wenn sie vollkommen wach sind, und sie behalten eine vollkommene Erinnerung an das Gesehene.  Andere besitzen sie nur im somnambulen Zustande.  Diese Fähigkeit ist selten bleibend.  Sie ist fast immer die Wirkung einer augenblicklichen, vorübergehenden Krise.  Man kann in die Kategorie der sehenden Medien alle mit dem Zweiten Gesicht begabten Personen einreihen.  Die Möglichkeit, Geister im Traume zu sehen, ist ohne Zweifel das Ergebnis einer Art Medialität, bildet aber keine sehenden Medien.

Das sehende Medium glaubt mit den Augen zu sehen wie jene, die das Zweite Gesicht haben.  Aber in Wirklichkeit sieht die ,Seele, und dies ist der Grund, warum sie ebenso gut mit geschlossenen wie mit offenen Augen sehen.  Daraus folgt, dass ein Blinder die Geister ebenso gut sehen könnte wie ein Sehender.  Geister, die in ihrem menschlichen Leben blind gewesen sind, haben berichtet, dass sie bei Lebzeiten durch ihre Seele bestimmte Gegenstände wahrgenommen haben, und dass sie durchaus nicht in schwarze Finsternis gehüllt waren.

Man muss die zufälligen und die spontanen Geistererscheinungen von der Gabe, Geister zu sehen, unterscheiden.  Erscheinungen sind recht häufig, besonders im Augenblick des Sterbens von Personen, die man geliebt und gekannt hat und die nun kommen um uns anzukündigen, dass sie diese Welt verlassen haben.  Die Sehfähigkeit besteht in der, wenn nicht bleibenden, so doch sehr häufigen Möglichkeit, den ersten besten angekommen Geist zu sehen, auch wenn er uns fremd ist.

 

Eine Witwe, deren Mann sich ihr oft mitteilte, befand sich eines Tages bei einem sehenden Medium, das sie ebenso wenig wie ihre Familie kannte.  Das Medium sagte zu ihr: Ich sehe einen Geist an Ihrer Seite.' Die Frau entgegnete: Ach, das ist ohne Zweifel mein Mann, der mich fast nie verlässt.' Doch das Medium entgegnete: "Nein, es ist eine Frau von höherem Alter, sie ist auf eine einfache Art frisiert und trägt ein weißes Band auf der Stirn.« Nach dieser Beschreibung und nach anderen noch festgestellten Tatsachen erkannte die Dame mit voller Sicherheit ihre Großmutter wieder, an die sie zu jener Zeit gar nicht gedacht hatte.  Wollte das Medium seine Sehergabe nur vortäuschen, wäre ihm die Anpassung an die Vermutungen der Dame leicht gewesen.  Dieses Vorkommnis beweist noch eine andere Tatsache, dass nämlich das Sehen des Mediums nicht ein Reflex der fremden Gedanken war.

 

Wir haben einmal der Vorstellung der Oper "Oberon" mit einem sehr guten sehenden Medium beigewohnt.  Es waren im Saale noch eine große Anzahl leerer Plätze, von denen aber plötzlich viele von Geistern besetzt wurden, die den Anschein hatten, an dem Schauspiele sich zu beteiligen.  Einige gingen bei den Zuschauern vorbei und schienen ihre Gespräche anzuhören.

Auf dem Theater stellte sich eine andere Szene dar.  Hinter den Schauspielern unterhielten sich mehrere Geister im jovialen Humor damit, ihnen nachzuspotten, indem sie ihre Bewegungen auf possenhafte Art nachmachten.  Andere ernsthaftere schienen die Sänger zu begeistern und sich anzustrengen, ihnen Mut einzuflößen. 

 

Somnambule Medien

 

Der Somnambulismus kann als eine Abart der medialen Gabe betrachtet werden.  Besser gesagt, es sind zwei Arten von Phänomenen, die sehr oft vereinigt angetroffen werden.  Der Somnambule handelt unter dem Einfluss seines eigenen Geistes, es ist seine Seele, die im Augenblick der Befreiung sieht, hört und außerhalb der Grenzen seiner irdischen Sinne wahrnimmt.  Was er sagt, schöpft er aus sich selbst.  Seine Gedanken sind gewöhnlich richtiger als im Normalzustande.  Seine Kenntnisse sind ausgedehnter, weil seine Seele frei ist.  Mit einem Worte: er lebt das Leben der Geister.  Ein Medium ist im Gegenteil hierzu das Werkzeug einer fremden Intelligenz, es ist passiv und was es sagt, kommt nicht von ihm.  Der Somnambule drückt also seine eigenen, das Medium aber fremde Gedanken aus.  Aber ein Geist, der sich einem gewöhnlichen Medium mitteilen kann, kann es ebenso gut bei einem Somnambulen machen.  Oft macht der Zustand der Freiheit der Seele während des Somnambulismus diese Mitteilung viel leichter.  Viele Somnambule sehen die Geister vollkommen und beschreiben sie mit einer solchen Genauigkeit wie die sehenden Medien, sie können sich mit ihnen besprechen und uns ihre Gedanken übertragen.  Was sie über ihre eigenen Kenntnisse hinaus Erhabenes sagen, ist ihnen oft von anderen Geistern eingehen worden.  Hier folgt ein Beispiel, wo die doppelte Handlung des Geistes eines Somnambulen und eines fremden Geistes auf eine auffallende Weise dargestellt ist:

Einer unserer Freunde hatte als Somnambulen einen Knaben von 14 bis 15 Jahren von gewöhnlicher Intelligenz und von sehr geringer Ausbildung.  Trotzdem gab er im Somnambulismus Beweise einer großen Erleuchtung und eines besonderen Scharfsinnes.  Er zeichnete sich sehr bei der Behandlung von Kranken aus und bewirkte eine große Anzahl von Heilungen, die für unmöglich gehalten wurden.  Eines Tages gab er einem Kranken, dessen Krankheit er mit größter Genauigkeit beschrieb, einen ärztlichen Rat.  Er konnte aber nicht die erforderlichen Arzneien angeben, weil sein Engel, der Doktor nicht da war.  Was verstehst du unter deinem Engel, den Doktor?' wurde gefragt, „ Jenen, der mir die Arzneien diktiert, antwortete er.  So bist du selbst es nicht, der die Arzneien sieht?' - Ich sage es Ihnen ja, dass es mein Engel, der Doktor ist, der sie mir ansagt.'



So war bei diesem Somnambulen der Akt des Sehens der Krankheit ein Akt seines eigenen Geistes, der dazu keiner fremden Beihilfe bedurfte, aber die Heilmittel wurden ihm durch einen anderen angesagt.  Dieser andere war nicht da, daher konnte er auch nichts darüber sagen.  Für sich allein war er nichts anderes als Somnambuler, und unter dem Beistande seines Engeldoktors, wie er ihn nannte, war er ein somnambules Medium.

Das somnambule Hellsehen ist eine Befähigung, die vom menschlichen Organismus abhängt, und ganz unabhängig von der geistigen Erhabenheit, dem Fortschritte und selbst vom moralischen Zustande des Subjektes ist.  So kann ein Somnambuler sehr hellsehend sein, und doch unfähig, gewisse Fragen zu lösen, wenn sein Geist wenig fortgeschritten ist.  Derjenige, der aus sich selbst spricht, kann also Gutes und Schlechtes, Wahres und Falsches sagen, mehr oder weniger Zartgefühl und Bedenklichkeit äußern, ganz nach dem Grade sittlicher Höhe der Tiefe des eigenen Geistes.  In solchem Falle kann der Beistand eines fremden Geistes sein Ungenügendes ergänzen.  Aber ein Somnambuler kann auch von einem lügenhaften, leichtsinnigen, sogar von einem bösen Geist Beistand erhalten, genau wie ein Medium.  Hier ist also klar ersichtlich, dass die moralischen Eigenschaften einen großen Einfluss ausüben, um gute Geister anzuziehen.

 

Heilende Medien

 

Wir erwähnen hier nur, dass diese Art von Medialität hauptsächlich in der Gabe gewisser Personen besteht, durch die bloße Berührung, durch einen Blick und selbst durch eine Bewegung ohne Mitwirkung eines Medikaments zu heilen.  Man wird sagen, dies sei nichts anderes als Magnetismus.  Es ist einleuchtend, dass hier das magnetische Fluid eine große Rolle spielt, aber wenn man dies Phänomen aufmerksam betrachtet, erkennt man ohne Mühe, dass da noch etwas anderes hinzukommt.  Die gewöhnliche Magnetisierung ist eine fortgesetzte, regelmäßige und methodische Behandlung, aber hier geht die Sache ganz anders.  Fast alle Magnetiseure sind befähigt, zu heilen, wenn sie es verstehen, sich dabei angemessen zu benehmen, während bei heilenden Medien die Heilkraft eine spontane ist.  Einige besitzen sie sogar, ohne je vom Magnetismus etwas gehört zu haben.  Der Einfluss einer verborgenen Kraft, worin die Medialität besteht, wird unter Umständen bemerkbar.  Dies besonders dann, wenn man betrachtet, dass die Mehrzahl Personen, die man mit Recht für heilende Medien erklären kann, ihre Zuflucht zum Gebete nehmen, was ja eine wahre Anrufung ist.  Hierüber wurden von den Geistern auf unsere Fragen nachstehende Antworten gegeben:

 

Kann man die Personen, die mit einer magnetischen Kraft versehen sind, als eine eigene Gattung von Medien betrachten?

,Wollet ihr daran zweifeln?'

 

Aber während ein Medium ein Vermittler ist zwischen dem Geiste und dem Menschen, schöpft der Magnetiseur seine Kraft aus sich selbst, scheint also nicht Vermittler einer fremden Kraft zu sein?

,Das ist ein Irrtum.  Die magnetische Kraft hat ihren Sitz im Menschen, aber sie wird durch die Einwirkung des Geistes, den er zur Hilfe ruft, vermehrt.  Wenn du z. B. in der Absicht magnetisierst, zu heilen, und dabei einen guten Geist anrufst, der sich für dich und den Kranken interessiert, so unterstützt er deine Kraft und deinen Willen.  Er dirigiert dein Fluid und verleiht ihm die nötigen Eigenschaften."

 

Es gibt aber doch sehr gute Magnetiseure, die nicht an Geister glauben?

Glaubst du, dass die Geister nur auf diejenigen einwirken, die an sie glauben? jedermann, der Gutes will, ruft sie ohne es zu wissen, ebenso wie er durch die Begierde zum Bösen und durch schlechte Absichten unbewusst schlechte Geister anruft."

 

Wenn einer, der die Kraft besitzt, an den Einfluss der Geister glaubt, würde er wirksamer behandeln?

,Er würde Sachen verrichten, die an Wunder grenzen."

Haben gewisse Personen wirklich die Gabe, durch die bloße Berührung zu heilen, ohne Beihilfe der magnetischen Einflüsse?

,Ganz gewiss!  Habt ihr davon nicht zahlreiche Beispiele?'

 

Pneumatographische Medien

 

Man benennt mit dieser Bezeichnung jene Medien, die geeignet sind, direkte Schrift zu erhalten, was nicht allen schreibenden Medien verliehen ist.  Diese Gabe ist noch sehr selten, sie entwickelt sich wahrscheinlich durch Übung.  Nach der größeren oder kleineren Kraft des Mediums bekommt man einfache Züge, Zeichen, Buchstaben, Worte, Sätze und selbst ganze Seiten Schrift. 

 

Schreibende oder psychographische Medien

 

Unter allen Mitteilungsarten zwischen Menschen und Geistern ist die Handschrift das einfachste, bequemste und auch vollständigste Verständigungsmittel.  Ihr Erreichen muss man mit allen Kräften anstreben, denn es ermöglicht, mit den Geistern einen ununterbrochenen und regelmäßigen Verkehr zu unterhalten, wie er unter uns Menschen besteht.  Es ist jenes Mittel, wodurch die Geister am ehesten ihre Natur und den Grad ihrer Vollkommenheit oder Niedrigkeit enthüllen.  Durch die Leichtigkeit, mit der sie sich ausdrucken können, machen sie uns mit ihren intimsten Gedanken bekannt.  Sie setzen uns so in den Stand, sie zu beurteilen und nach ihrem Werte einzuschätzen.  Die Schreibfähigkeit ist überdies die Gabe, die am meisten geeignet ist, sich durch Übung entwickeln zu lassen.

 

Mechanische Medien

Der Geist kann unmittelbar seinen Gedanken ausdrücken, sei es durch Bewegung des Gegenstandes, wobei die Hand des Mediums nur den Stützpunkt bildet, sei es durch Einwirkung auf die Hand selbst.  Wirkt der Geist unmittelbar auf die Hand, gibt er dieser eine vom Willen des Mediums völlig unabhängige Bewegung.  Sie geht ohne Unterbrechung und ohne Zutun des Mediums fort, solange der Geist etwas mitzuteilen hat und bleibt mit der Beendigung stehen.  Charakteristisch bei dieser Erscheinung ist, dass das Medium nicht die geringste Kenntnis hat, was es schreibt, und diese gänzliche Unkenntnis bildet eben das, was man ein passives oder mechanisches Medium nennt.

 

Intuitive Medien

Die Übertragung des Gedankens findet auch durch die Vermittlung des Geistes des Mediums, besser gesagt, seiner Seele, statt.  Als eine Seele bezeichnen wir den einverleibten Geist.  Der fremde Geist wirkt in diesem Falle nicht auf die Hand, um sie zum Schreiben zu bringen, sondern auf die Seele, mit der er sich identifiziert.  Die Seele bewegt unter diesem Einfluss die Hand und diese den Bleistift.  Als eine wichtige Tatsache sei bemerkt, dass der fremde Geist den eigenen des Mediums nicht ersetzt, denn er kann die Seele nicht ersetzen, aber er beherrscht sie ohne ihr Wissen und prägt ihr seinen Willen ein.

Hierbei ist die Rolle der Seele nicht absolut passiv.  Sie ist es ja, die den Gedanken des fremden Geistes empfängt und ihn fortpflanzt.  In dieser Lage weiß das Medium, was es schreibt, obwohl es nicht sein eigener Gedanke ist.  Das ist es, was man ein intuitives Medium nennt.  Man wird einwenden, nichts beweist uns, dass es der fremde Geist ist, der da schreibt, und nicht der des Mediums.  Der Unterschied ist auch manchmal schwer, aber immer kann man den eingegebenen Gedanken daran erkennen, dass er nie vorgedacht wurde.  Er entsteht in dem Verhältnisse, als man schreibt, und oft ist er einer vorhergehenden Idee völlig entgegengesetzt.  Er kann auch ganz außerhalb des Bereiches der Kenntnisse und Fähigkeiten des Mediums liegen.

 

Halbmechanische Medien

Bei dem rein mechanischen Medium ist die Bewegung der Hand unabhängig von seinem Willen.  Bei dem intuitiven Medium ist die Bewegung freiwillig oder wahlweise so oder so.  Das halbmanische Medium nimmt an seinen Zuständen Anteil.  Es empfindet einen ohne das Zutun seiner Hand gegebenen Impuls, aber zugleich hat es das Bewusstsein dessen, was es schreibt, und zwar in dem Verhältnisse, als sich die Worte bilden.  Bei dem ersten, dem rein mechanischen Medium, folgt der Gedanke den Zügen der Schrift, bei dem zweiten, dem intuitiven, geht er ihm voran, und bei dem dritten, dem halbmechanischen, begleitet er ihn.  Die letztgenannten Medien sind die zahlreichsten.

 

Inspirierte Medien

Jedermann, der im normalen Zustande oder im Zustande der Ekstase fremde Kommunikationen erhält, kann in die Kategorie der inspirierten Medien eingereiht werden.  Es ist eine Abart der intuitiven Medialität mit dem Unterschiede, dass dabei der Einfluss einer verborgenen Macht noch weniger fühlbar ist.  Bei den Inspirierten ist es viel schwieriger, den eigenen Gedanken von dem eingegebenen zu unterscheiden.  Was den letzteren kennzeichnet, ist das Spontane seines Eintretens.  Die Inspiration kommt uns von den Geistern, die uns zum Guten oder zum Bösen beeinflussen wollen, aber häufiger ist sie das Werk jener, die uns wohlwollen.  Wir begehen oft den Fehler, ihren Ratschlägen nicht zu folgen.  Die Inspiration passt sich allen Verhältnissen unseres Lebens an, wenn wir Entschlüsse fassen wollen.  In dieser Beziehung kann man sagen, dass jeder Mensch ein Medium ist.  Es gibt niemanden, der nicht seinen Schutz- und seine Familiengeister hätte, die sich mit allen Kräften bemühen, ihren Günstlingen heilsame Gedanken einzugeben.  Wäre man von dieser Wahrheit überzeugt, würde man öfters zu seinem Schutzengel Zuflucht nehmen, besonders in Augenblicken, wo man nicht weiß, was zu reden und zu tun ist.

Zu den inspirierten Medien kann man noch jene zählen, die ohne außergewöhnliche Intelligenz und ohne aus dem Normalzustande herauszutreten, lichte, intelligente Augenblicke haben, die ihnen für Augenblicke eine ungewöhnliche Leichtigkeit schöpferischer Gedanken, große Beredsamkeit und zuweilen auch das Vorgefühl der Zukunft verleihen.  In diesen Momenten, wo man voller Begeisterung ist, überfließen die Ideen, folgen einander und verbinden und verketten sich gewissermaßen von selbst.  Menschen von Genie in jeder Richtung, Künstler und Gelehrte, Dichter und Literaten sind unstreitig fortgeschrittene Geister, die von sich selbst aus befähigt sind, große Dinge zu begreifen.  Sie sind sehr oft Medien, ohne es zu wissen, besitzen aber doch die unbestimmte Ahnung einer fremden Hilfe, denn jeder, der die Begeisterung in Anspruch nimmt, nimmt eben eine Anrufung vor.  Folgende Fragen und Antworten bestätigen diese Behauptung:

 

Welches ist die erste Ursache der Begeisterung?

,Ein Geist, der sich durch den Gedanken mitteilt.'

 

Hat die Inspiration nur die Erfüllung wichtiger Sachen zum Gegenstande?

.Nein, sie hat oft auf die allergewöhnlichsten Dinge des Lebens Bezug.  Du willst vielleicht irgendwohin gehen, und eine innere Stimme sagt dir, es ist für dich gefährlich.  Oder sie rät dir, eine Sache zu tun, an die du nicht denkst.  Das ist eine Inspiration.  Es gibt sehr wenige Menschen, die in bestimmten Momenten nicht mehr oder weniger inspiriert wären.'

 

Kann ein Autor, ein Maler oder Musiker in Momenten der Begeisterung als Medium betrachtet werden?

.Ja, denn in solchen Augenblicken ist ihre Seele frei und wie von der Materie entblößt.  Sie erlangen einen Teil der geistigen Fähigkeiten und erhalten die Mitteilungen anderer Geister, die sie inspirieren, viel leichter."

 

Medien mit Vorahnungen

 

Die Vorahnung ist eine direkte Anschauung künftiger Dinge.  Viele Personen besitzen diese Anlage mehr oder weniger ausgebildet und verdanken sie einer Art Zweiten Gesichtes.  Sie ermöglicht ihnen, die Folgen der gegenwärtigen Verhältnisse und die Verkettung der künftigen Ereignisse vorauszusehen.  Aber oft ist diese Gabe auch die Wirkung von verborgenen Kommunikationen, und besonders in diesem Falle kann man allen, die mit dieser Fähigkeit begabt sind, den Namen ,Medium mit Vorahnung" geben, eine Abart der inspirierten Medien.

 

Besondere Befähigung der Medien

Übersicht über ihre verschiedenen Arten

 

Außer den eben aufgezählten Arten von Medien hat die Medialität eine Unmenge von Schattierungen, die zur Gruppe der speziellen Medien gehören und von einer besonderen, noch nicht geklärten Begabung abhängen, ganz abgesehen von den Eigenschaften und Kenntnissen des sich uns manifestierenden Geistes.

Das Wesen der Kommunikation ist immer der Natur des Geistes entsprechend, es trägt den Stempel seiner Erhabenheit oder Niedrigkeit, seiner Weisheit oder Unwissenheit.  Auf diese Art findet man bei ihm eine unbestrittene Neigung, sich mit der einen Sache lieber als mit der anderen zu beschäftigen.  Klopfgeister verrichten nur physische Manifestationen, und unter Geistern, die intelligente Manifestationen geben, gibt es poetische, musikalische, zeichnende, moralisierende, gelehrte und medizinische Ratschläge spendende Arten.  Wir reden hier von Geistern der mittleren Ordnung.  Bei einer gewissen Stufe angelangt, verschmelzen die Fähigkeiten in der Einheit des Vollkommenseins.  Aber neben der Fähigkeit des Geistes gibt es auch jene des Mediums, das für ihn ein mehr oder weniger bequemes und biegsames Werkzeug darbietet und in dem er besondere Eigenschaften findet, die wir nicht beurteilen können.  Bei der gleichen Beschaffenheit der medialen Kraft wird der Geist dem einen oder anderen den Vorzug geben, nach Art der Mitteilungen, die er darbieten will.

So sieht man zum Beispiel Medien merkwürdige Gedichte schreiben, obwohl sie unter gewöhnlichen Umständen niemals zwei Verse machen können.  Andere wieder sind Dichter und können als Medien nur Prosa schreiben.  Ebenso verhält es sich mit dem Zeichnen, der Musik o. ä. Es gibt Medien, die keine wissenschaftlichen Kenntnisse, aber besondere Befähigung für gelehrte Mitteilungen haben.  Andere für historische Studien, wieder andere sind moralische Dolmetscher.  Welcher Art die Anlage eines Mediums auch sein mag, die Mitteilungen, die es mit der größten Leichtigkeit erhält, tragen an sich gewöhnlich einen besonderen Stempel.

Abgesehen von den Ursachen der Befähigung teilen sich die Geister mit Vorliebe, je nach ihrer Sympathie, durch diesen oder einen anderen Vermittler mit.  So wird der gleiche Geist bei gleichen Umständen mit gewissen Medien viel verständlicher, nur weil ihm diese besser zusagen.

 

Quelle:

 

Das Buch der Medien – Allan kardec