Persönliche Unsicherheit

 

Was Gesundheit ist, kann sehr verschieden aufgefasst werden. Etliche halten sie für das Fehlen von im Organismus befindlicher Krankheit oder das Fehlen von feststellbarer und klassifizierbarer emotionaler oder mentaler Verwirrung. Nicht selten, wenn man Phänomene innerer Labilität, persönliche Unsicherheit oder Schmerzen erlebt, für die keine sichtbaren Gründe vorliegen, die sie rechtfertigen, gibt man sich keine Rechenschaft über diese Störungen, die eigentlich eine sorgfältige Analyse und Bewertung verdienen, um die in der Persönlichkeit wurzelnden Strukturen mittels geeigneter Therapie zu verändern.

 

Das wunderbare Gesamt von Phänomenen, die sich im menschlichen Wesen harmonisieren, bewirkt durch die denkende Energie, die modellierende Energie und die verdichtende Energie, stellt einen der bemerkenswertesten Beiträge des Lebens im All dar. Mächtig, dank seiner Widerstandskraft, mit der es Schwierigkeiten besiegt und, wenn es den Ort wechselt, sein Panorama verändert, ist das Wesen gleichzeitig in seiner physischen Konstitution  zerbrechlich; denn seine organische Existenz kann durch einen von einem verheerenden Virus verseuchten Insektenstich unterbrochen oder, von einem emotionalen Schock besiegt, für lange Zeit in einen gelähmten oder komatösen Zustand versetzt werden, der seine Geistesklarheit auslöscht und verhindert, Verpflichtungen wahrzunehmen, die zu erfüllen die Selbstachtung fordert.

 

Die Komplexität seines psychischen Mechanismus wird allmählich, Schritt um Schritt transparent und kann ihm deshalb bei der Lösung von es begleitenden alten Konflikten archetypischer Art oder aus spiritueller Erbschaft helfen, die vom Dunkel ins Licht überführt werden müssen. In diesem Entwicklungsprozess modifizieren sich die Fundamente des Unbewussten. Neue Beiträge bieten sich an und damit neue, noch nicht realisierte Möglichkeiten, die mit der Zeit und den Kräften des Geistes, der sich auf Wohlbefinden, Ausgeglichenheit und wirkliche Gesundheit einstellt, erschlossen werden.

 

Als Ergebnisse dieser ältesten Erbschaften verfolgen einige emotionale Gespenster sein Gewissen und verursachen eine innere Unruhe, die seine psychophysische Harmonie unterwandert, es verwirrt und ihm die tüchtige Nutznießung der grenzenlosen Möglichkeiten, Freude und Friede zu erleben die ihm zur Verfügung stehen, schwer macht.

 

So entstehen schmerzliche Zustände, eine persönliche Unsicherheit, die sich in Schüchternheit verwandelt oder auch in Angst und Furcht umkippt, die eine Verzagtheit auslösen können, die es von kompensierenden menschlichen Beziehungen und Aktivitäten fernhalten und es so auch nicht zu höheren, edleren Praktiken im sozialen Leben anregen.

 

Es ist natürlich, gar normal, dass sich im täglichen Verhalten Herausforderungen ergeben und dass der Mensch befürchtet, nicht über die Voraussetzungen zu verfügen,  um ihnen erfolgreich zu begegnen. Jede neue Erfahrung hat eine Auswirkung, die überwunden werden muss, soll sie zum Fortgang der Aktivitäten anregen. Diese logische Furcht, die auf dem Wunsche gründet, den Sieg auch ohne die gewohnte Ausrüstung mit Hilfsmitteln zu erringen, stellt ein emotional absolut verständliches  Phänomen dar.

Indessen wird diese hartnäckige Unsicherheit, im Hinblick  auf die bestehenden Möglichkeiten eines Kampfes, begleitet von  einer Geringschätzung seiner selbst die sich nicht die Fähigkeit zutraut, neue Werte zu entwickeln. Neben dem Minderwertigkeitsgefühl sind es aufsteigende Konflikte, denen man mit Entschiedenheit entgegentreten muss, sogar wenn man bei den ersten therapeutischen Versuchen Angst erfährt.

 

Die körperliche Existenz bedingt ein blindes Vertrauen in ein spirituelles Wachstum und in den Erwerb grenzenloser, erleuchtender Hilfsmittel, was das große Ziel des menschlichen Seins darstellt und das eine Fortsetzung erwartet.

 

Nachdem man die unteren Stufen des Prozesses überwunden hat, geht es an die Erklimmung neuer Erkenntnis und Gefühlsebenen. Mit der Zeit entdeckt man, dass jeder Schritt vorwärts zu neuen Möglichkeiten befähigt, um neuen  Auseinandersetzungen zu bestehen.

Ein gesundes Einfühlungsvermögen erfasst nämlich das Individuum, das mutig und selbstbewusst voranschreitet und die inneren Verwirren vermag, ohne ihnen zu große emotionale Bedeutung beizumessen, und sich deshalb auf angenehme Weise erlauben kann, innerhalb von übersteigbaren Grenzen zu leben.

 

Was an persönlicher Unsicherheit übrig bleibt, stammt, so gesehen, einerseits von aktuellen Erlebnissen einer Erziehung in einem schlecht ausgerichteten Heim, einer dominierenden Mutter, einem Vernachlässigenden Vater, einer von ständigem Streit zerrütteten Familie, in der die Nichtbeachtung seitens verschiedener Familienmitglieder zum Verlust der Selbstachtung führte  anderseits von vergangenen Erlebnissen, für die ein schlechtes Verhalten des Ego  charakteristisch und vorherrschend war, das sich im Missbrauch der Macht, des Vergnügens und der Pflicht gefiel, was im Unbewussten Überbleibsel von  Schuldprägungen hinterließ. Beängstigende Dramen, die früheres Verhalten in anderen Existenzen schuf, schimmern, wenn auch verkümmert, stets noch durch, so dass der innere Richter die  Notwendigkeit der Wiedergutmachung, begangener Verbrechen forderte und sie nun im aktuellen Leben wie ein Damokles-Schwert einsetzte, das wie an einem feinen Faden aufgehängt erscheint, bereit, auf den Kopf des Verurteilten niederzufallen...

 

Angesichts einer solchen Situation ist für den Patienten eine ehrliche Analyse seiner aktuellen Wirklichkeit und seines momentanen Verhaltens  angebracht, die die Hilfsmittel, die er besitzt, weder mit neuer Selbstkriminalisierung  noch mit Selbstbestrafung bewertet, um an die Ausführung möglicher ergänzender Versuche überzugehen , die  seine moralisch-emotionellen Aktionsradius erweitern und ihm erlauben, durch eine Folge von Siegen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu erwerben. Indem er ohne Selbstmitleid den Konflikt nicht in die Fächer des Unbewussten einschließt, wird er ihn durch die Freude, neue Wege durcheilen zu können, ersetzen und fähig werden, mit verschiedenen Menschen und Situationen, angenehmen und lohnenden, zurechtkommen.

 

Der hervorragende Dr. Milton Erickson würde sicherlich bei solcher Problematik vorschlagen, dass de Patient seine positiven Werte annehme, sie erweitere und damit die Arbeit an den Unsicherheiten - die negative Werte darstellen -  ergänze, um dann mittels des gewonnenen Selbstvertrauens in kleinen Schritten den Zustand des Wohlbefindens zu erlangen. Diese Veränderung  des mentalen Verhaltens würde seiner emotionalen Natur verhelfen, der Freude an einem intensiven Leben Raum zu geben, so dass er ein aktives und produktives Glied der Gesellschaft, in der er sich befindet, werden könnte.

 

Je mehr jemand ein Problem flieht, umso schwieriger wird es für ihn, es zu lösen. Die beste Art, es anzugehen, beginnt mit der Anstrengung, den verwirrenden emotionalen Inhalt zu verkleinern. Paradoxerweise erlangt er derart, über eine verbindliche kommunikative Beziehung zum Leben, die Möglichkeit, es wahrhaft zu bereichern.

 

Was Unsicherheit, bedrückende Ungewissheit erzeugt, muss mittels einer Anstrengung in eine lebendige und bedeutungsvolle Erfahrung verkehrt werden, damit man sich zum  Triumphieren konditioniert weiß. Dies hängt allein von dem ab, der sich dazu verpflichtet.

 

 

Quelle:

Persönlicher Thriumph – Joanna de Ângelis – Medium: Divaldo Franco