Die Pflanzen
Haben die Pflanzen ein Bewusstsein ihres
Daseins?
Nein, sie denken nicht. Sie besitzen nur ein
organisches Leben.
Haben die Pflanzen Empfindungen? Leiden sie, wenn man sie pflückt oder verstümmelt?
Die Pflanzen empfangen physische Eindrücke, die auf
den Stoff wirken, aber sie haben keine Wahrnehmung. Folglich haben sie auch
keine Empfindung von Schmerz.
Ist die Kraft, die die Pflanzen zueinander hinzieht, unabhängig von ihrem Willen?
Ja, da sie ja nicht denken können. Es ist eine
mechanische Kraft des Stoffes, die auf den Stoff wirkt. Sie könnten derselben
nicht widerstehen.
Liegt nicht in den Pflanzen wie in den Tieren ein Erhaltungsinstinkt, der sie antreibt, Nützliches aufzusuchen und Schädliches zu meiden?
Es ist dies allerdings eine Art Instinkt, aber er
ist rein mechanischer Natur. Wenn sich in der Chemie zwei Körper verbinden, so
geschieht dies, weil sie sich entsprechen, weil eine Verwandtschaft zwischen
beiden vorhanden ist. Und doch nennt ihr das nicht Instinkt.
Kann man sagen, dass die Tiere nur aus
Instinkt handeln?
Der Instinkt herrscht bei den meisten Tieren vor.
Sehen wir aber nicht andere, die einen entschlossenen Willen zeigen? Das ist
Intelligenz, aber sie ist beschränkt.
Haben die Tiere eine Sprache?
Meint ihr eine aus Worten gebildete, dann nein.
Meint ihr ein Mittel, sich untereinander mitzuteilen, dann ja. Sie sagen sich
viel mehr Dinge, als ihr es glaubt. Aber ihre Sprache ist, wie ihre
Vorstellungen, auf ihre Bedürfnisse beschränkt.
Besitzen die Tiere Wahlfreiheit in ihrem
Tun?
Sie sind keine bloßen Maschinen, aber die Freiheit
ihres Tuns ist auf ihre Bedürfnisse beschränkt und erleidet keinen Vergleich
mit der des Menschen. Da sie tief unter ihm stehen, haben sie auch nicht dieselben
Pflichten. Ihre Freiheit beschränkt sich auf das Tun des materiellen Lebens.
Da die Tiere einen gewissen Verstand haben, der ihnen Freiheit des Tuns gewährt, gibt es da in ihnen ein vom Stoff abhängiges Prinzip? Ist dies eine Seele, die der des Menschen ähnelt?
Ja, und zwar ein Prinzip, das den Leib überlebt. Es
ist auch eine Seele, wenn ihr so wollt. Das hängt vom Sinn ab, den man dem
Worte beilegt. Aber sie ist niedriger als die des Menschen.
Bewahrt die Tierseele nach dem Tode ihre Individualität und ihr Selbstbewusstsein?
Die Individualität ja, aber nicht das Bewusstsein
ihres Ichs. Das Leben der Intelligenz bleibt verborgen.
Hat die Tierseele die Wahl, sich in ein
beliebiges Tier zu verkörpern?
Nein, sie hat keinen freien Willen.
Ist die den Leib überlebende Tierseele nach dem Tode in einem herumirrenden, wandernden Zustand, wie die des Menschen?
Es ist eine Art von Herumirren, da sie nun an keinen
Leib gebunden ist. Ein herumirrender Geist aber ist sie nicht. Der Wandergeist
ist ein Wesen, das durch seinen freien Willen denkt und handelt. Die Tierseele
hat diese Fähigkeit nicht. Selbstbewusstsein ist die hauptsächlichste
Eigenschaft des Geistes. Dem Geist des Tieres wird nach dem Tode von den in
Frage kommenden Geistern seine Seele angewiesen, und er wird fast
augenblicklich nutzbar gemacht. Er hat keine Zeit, sich mit anderen Geschöpfen
in Beziehung zu setzen.
Folgen die Tiere ähnlich dem Menschen
einem Gesetze des Fortschritts?
Ja, und darum sind sie auf den höheren Welten, wo
die Menschen weiter fortgeschritten sind, ebenfalls fortgeschrittener. Sie
besitzen entwickeltere Mittel, sich mitzuteilen. Aber sie sind stets dem
Menschen untergeordnet und untertan, seine verständigen Diener.
Könnte sich der Geist, der den Leib eines Menschen beseelte, in ein Tier inkarnieren?
Das hieße ja Rückwärtsschreiten, aber der Geist
schreitet nie zurück. Ein Fluss kann nicht zur Quelle zurückkehren.
Können auch Tiere Medien sein?
„Verständigen wir uns zuerst über den Gegenstand. Was ist ein Medium? Es ist ein Wesen, es ist ein Individuum, das dem Geistern als Vereinigungsband dient, damit sich diese den Menschen als einverleibten Geistern mit Leichtigkeit kundgeben können. Es gibt also notwendigerweise ohne Medium keine greifbare, keine innerliche, keine schriftliche oder physische oder sonst wie geartete Mitteilung aus dem Jenseits. Man sagt: die Geister beleben und bewegen die Materie, wie Tisch, Sessel, Pianos, usw. „Bewegen“? Dazu muss man sagen Ja. Aber „beleben“? Nein.
Gewiss ist, dass Geister sich Tieren sichtbar und
tastbar machen können. Oft überfällt diese dann ein plötzlicher Schrecken, den
ihr euch nicht erklären könnt. Oft seht ihr Pferde, die weder vorwärts noch
rückwärts gehen wollen oder sich vor einem eingebildeten Hindernis bäumen. Seid
überzeugt, dass dieses eingebildete Hindernis häufig ein Geist oder eine Gruppe
von Geistern ist, denen es Vergnügen macht, sie am Fortgehen zu behindern. Aber
ich wiederhole es: wir machen weder die Tiere noch die träge Materie zu Medien.
Immer ist die bewusste oder unbewusste Mitwirkung eines menschlichen Mediums
nötig, weil wir die Verbindung von gleichen Fluiden benötigen, die wir weder
bei den Tieren, noch bei der rohen Materie finden.
Herr F... hat seinen Hund magnetisiert. Wie weist er
damit gekommen? Er hat ihn getötet, das arme Tier ist gestorben, nachdem es
durch die Magnetisierung in eine Art von Erschlaffung und Abspannung gefallen
ist. Indem man ein Tier mit einem Fluidum überflutete, das in einer für seine
Natur zu hohen Sphäre geschöpft wurde, hat man es zugrunde gerichtet. Da also
zwischen unserem Perispirit und der fluidischen Hülle der Tiere eine
Vereinigung unmöglich ist, würden wir sie augenblicklich töten, wenn wir medial
machen wollten.
Ich erkenne vollkommen an, dass es bei Tieren
verschiedene Anlagen gibt, dass sich gewisse Gefühle, gewisse den menschlichen
Leidenschaften analoge Leidenschaften in ihnen entwickeln, dass sie dadurch
empfindsam, dankbar, rachsüchtig oder gehässig werden, ganz wie man mit ihnen umgeht. Dies kommt
daher, weil Gott, der nie etwas unvollständig tut, gewissen Tieren als
Begleitern oder Dienern der Menschen, gesellschaftliche Eigenschaften verliehen
hat, die den wilden Tieren völlig fehlen. Aber von da bis zur Möglichkeit, als
Medien der Übertragung des Gedankens von Geistern zu dienen, gibt es einen
unübersteigbaren Abgrund. Es ist die Verschiedenheit der Naturen.
Ihr wisst, dass wir die nötigen Elemente im Gehirn
des Mediums schöpfen, um unseren Gedanken eine für euch wahrnehmbare Form zu geben.
Nur vermittelst der Materialien, die das Medium besitzt, überträgt es unsere
Gedanken in die menschliche Sprache. Welches Material würden wir wohl im Gehirn
eines Tieres finden? Gibt es darin Worte, Zahlen, Buchstaben oder sonstige
Zeichen, die sich selbst noch beim primitiven Menschen finden?
Die abgerichteten Tiere verstehen gewisse Gedanken.
Aber habt ihr sie je Gedanken hervorbringen sehen? Mediale Tatsachen können
also ohne bewusste oder unbewusste Beihilfe von Medien nicht hervorgebracht
werden, und Geister können nur unter den einverleibten Geistern diejenigen
finden, die ihnen als Medium dienen können.“ Eraste
Quelle:
Das Buch der Geister – Allan Kardec
Das Buch der Medien – Allan Kardec