Wer sind unsere Kinder?
Überliefern die Eltern ihren Kindern einen Teil ihrer Seele,
oder geben sie ihnen nur das tierische Leben?
Nur das tierische Leben, denn die Seele
ist unteilbar. Ein stumpfsinniger Vater kann geistvolle Kinder haben und
umgekehrt.
Ist der Geist der Eltern ohne Einfluss auf
den des Kindes nach dessen Geburt?
Nein, im Gegenteil. Die Geister sollen gegenseitig zu
ihrem Fortschritte beitragen. Der Geist der Eltern hat den der Kinder durch zu
entwickeln, es ist dies seine Aufgabe. Erfüllt er sie nicht, macht er sich
schuldig.
„Schon
in der Wiege zeigt das Kind die guten oder schlechten Instinkte, die es aus
seinem vergangenen Leben mit sich bringt. Es ist notwendig, sich darum zu
bemühen, zu lernen, das zu erkennen. Jedes Übel hat ihren Ursprung in dem
Egoismus und in dem Stolz. Beobachtet also die Kleinsten Signale dieser
schlechten Angewohnheiten, sobald sie sich im Keim zeigen. Bemüht euch sie zu
bekämpfen, ohne darauf zu warten, dass sie tiefe Wurzeln schlagen. Macht es
also wie der gute Gärtner, der den jungen Baum nach und nach zuschneidet, um
ihm eine richtige Form zu geben. Wenn ihr zulasst, dass sich Stolz und Egoismus
entwickeln, dann wundert euch nicht, wenn ihr später mit Undankbarkeit bezahlt
werdet. Wenn die Eltern alles getan haben, um die moralische Entwicklung des
Kindes zu fördern und keinen Erfolg damit haben, müssen sie sich keinen Vorwurf
machen und können ein reines Gewissen haben.
Die
Geister, bei denen die Gemeinsamkeit der Gefühle, die Identität der moralischen
Entwicklung und die gegenseitige Zuneigung vorhanden sind, bilden Familien.
Dieselben Geister suchen sich auf ihrer irdischen Wanderung, um Gruppen zu bilden, wie sie es in den Geistigen
Welten tun. Sodann entstehen die homogenen und verbundenen Familien. Wenn sie
während dieser Wanderung zeitlich getrennt bleiben, treffen sie sich später,
glücklich über ihre erreichten Fortschritte. Da sie dennoch nicht nur für sich
selbst arbeiten sollen, erlaubt Gott dann, dass die weniger entwickelten
Geister sich unter ihnen inkarnieren, damit diese mit deren Ratschlägen und
gutem Vorbild lernen, im Interesse ihres eigenen Fortschrittes. Sie verursachen
manchmal Unruhe in dieser Umgebung. Darin besteht aber die Prüfung und hier
befindet sich ihre Aufgabe. Nehmt diese also wie Geschwister auf und helft
ihnen. So wird sich später, in der
Geistigen Welt, die Familie freuen, einige Verschollene gerettet zu haben, die
ihrerseits dann andere retten können.“ (Die Undankbarkeit der Kinder
den Eltern gegenüber und die Familiären Bildungen Das
Evangelium im Licht des Spiritismus)
Eltern übertragen ihren
Kindern oft eine physische Ähnlichkeit. Übertragen sie auf dieselben auch
moralische?
Nein, denn sie haben verschiedene
Seelen oder Geister. Der Leib stammt vom Leibe, nicht aber der Geist vom
Geiste.
Woher stammen die
moralischen Ähnlichkeiten, die zuweilen zwischen Eltern und Kindern vorkommen?
Es sind sympathische Geister, die durch
die Ähnlichkeit ihrer Neigungen angezogen werden.
„Die
Blutsverwandtschaft ermöglicht nicht zwangsweise die geistige Verbindung. Der
Körper wird vom Körper erschaffen, der Geist entsteht jedoch nicht vom Geist,
weil er schon vor der Schöpfung des Körpers existiert. Der Vater zeugt nicht
den Geist des Sohnes - er zeugt nur seine menschliche Körperhülle. Er soll
dennoch dazu beitragen, seine intellektuelle und moralische Entwicklung zu
fördern, um ihm fortschritte zu ermöglichen.
Die
Geister, welche in eine und dieselbe Familie inkarnieren, gerade als nahe
Verwandte, sind oftmals einander sympathische, durch frühere Leben verbundene
Geister. Sie zeigen sich während des irdischen Lebens gegenseitig völlig fremd
sind oder dass sie ebenfalls in früheren Leben eine Abneigung gegeneinander
empfanden, die sie auf de Erde eben zu Antagonisten macht. Das dient ihnen als
Prüfung. Die wahren Bindungen der Familie sind also nicht die des Blutes,
sondern die der Zuneigung und der Verbindung in den Gedanken. Diese verbinden
die Geister vor, während und nach
der Inkarnation.
Es
gibt also zwei Arten von Familien: die Familien mit spiritueller Bildung und
solche, die durch die Blutsverwandtschaft miteinander verbunden sind. Die
Ersten sind dauerhaft, sie verstärken sich durch ihre Reinheit und verewigen
sich in der Geistigen Welt durch die verschiedenen Seelenwanderungen. Die
Zweiten sind schwach, so wie die Materie selbst, lösen sich mit der Zeit auf
und zerfallen moralisch öfters schon in der jetzigen Existenz. „ (Blutsverwandtschaft
und geistige Verwandtschaft – Das Evangelium im Licht des Spiritismus)
In seinem Meisterwerk “Der Prophet” schrieb Gibran
Khalil Gibran mit ungewöhnlichem Geschick und seltener Schönheit über die
Kinder:
„Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und die Töchter der
Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus
euch,
Und sind sie auch bei auch, gehören sie
euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch
nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körper dürft ihr eine Wohnstatt
bereiten, doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der
Zukunft, und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu
werden, doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück,
noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem
Pfad des Unendlichen, und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso
geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand
des Bogenschützen aufzwingt;
Denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt,
liebt Er auch den verharrenden Bogen.“
In Wahrheit sind unsere Kinder nicht unsere Kinder,
sondern die Kinder Gottes ... die wir erziehen sollen.
Quelle:
Das
Buch der Geister – Allan Kardec
Das
Evangelium im Lichte des Spiritismus – Allan Kardec
Die
Zeitung „Correio Didier“
Quem é meu filho? (Wer ist mein Kind?) - Pedro A.
Bonilha
Der
Prophet – Khalil Gibran