Studium des Werkes

„Himmel und Hölle“

Kap 7 - Das Fleisch ist schwach

„Es gibt Neigungen, die offenbach unzertrennlich mit dem Geist verbunden sind, weil sie mehr dem Moralischen als dem Physischen angehören; andere scheinen mehr die Auswirkung des Organismus zu sein und aus diesem Grunde glaubt man dafür weniger verantwortlich zu sein: das sind die Veranlagungen zum Zorn, zur Sinnlichkeit usw.

Der Genießer fühlt, wie ihm beim Anblick einer appetitlichen Speise der Speichel im Munde zusammenläuft. Es ist nicht die Speise, die das Geschmacksorgan überreizen kann, da ja kein Kontakt stattfindet, es ist der Geist, dessen Sinnlichkeit wachgerufen ist und der durch Gedanken auf dieses Organ wirkt, während auf einen anderen der Anblick dieser Speise keine Wirkung hat. Aus demselben Grund geschieht es auch, dass ein empfindsamer Mensch leicht Tränen vergießt; es ist nicht der Überfluss von Tränen, der dem Geist die Empfindsamkeit verleiht, sondern die Empfindsamkeit des Geistes ruft die reichliche Absonderung von Tränen hervor.

Wenn man diesem Gedankengang folgt, begreift man, dass ein jähzorniger Geist zum galligen Temperament führen muss; woraus folgt, dass ein Mensch nicht zornig ist, weil er gallig ist, sondern dass er gallig ist, weil er zornig ist.

Genauso ist es mit allen anderen instinktiven Neigungen; ein lascher und träger Geist wird sein Organismus in einem Zustand von Teilnahmslosigkeit lassen, die mit seinem Charakter zusammenhängt, während wenn der Geist aktiv und energiegeladen ist, er seinem Blut und seinen nerven völlig andere Qualitäten geben wird.“

Z.B. In der Psychologie: Conrad Lorenz hat eine Theorie, die Instinkttheorie,  er sagt die menschliche Aggression hätte ihre Ursache in einem angeborenen Instinkt zur Aggression. Die Hauptschwierigkeit in dieser Theorie war, dass sie zu einfach war. Wenn man jede Handlung nimmt und einen Instinkt dahinter steckt, dann erklärt man nichts, jede Handlung hat ein Motiv und dieses Motiv ist angeborenen. Es gibt nichts zu tun dagegen. Keine Erziehung kann das ändern. Vielleicht unterdrücken aber nicht ändern, z.B. die Hunde. Diese Theorie hat sich nicht durchgesetzt. Wenn heute jemand zum Psychiater kommt und sagt : Doktor ich bin so wütend, ich will alle umbringen, ich will meine Frau umbringen, meine Kinder“ Dann sagt der Doktor nicht:“Ah, aber das ist das Aggressionsinstinkt, das in diesem Mensch ist so stark ist“, sonst macht er eine Diagnose und sagt: „dieser Mann muss krank sein, denn diese Aggressivität, die er da ausdrückt, dieser Hass, der in ihn auf geballt ist, ist eine Krankheitserscheinung. (Erich Fromm)

In anderen Worte: Seine Seele ist krank.

„Das Fleisch ist nur schwach, weil der Geist schwach ist, was das Problem umkehrt und dem Geist die Verantwortung für all seine Handlungen lässt.

Das Fleisch, das weder Denkvermögen noch willen hat, besiegt niemals den Geist, der ja das denkende und wollende Wesen ist; es ist der Geist, der dem Fleisch die seinen Trieben entsprechenden Eigenschaften gibt, wie ein Künstler seinem materiellen Werk das Siegel seines Genius ausdrückt.

Das Geistwesen, das sich von tierischen trieben befreit hat, gestaltet sich einen Körper, der sein Streben nach Spiritualität nicht mehr tyrannisiert. Dann isst der Mensch, um zu leben, weil zu leben eine Notwendigkeit ist, aber er lebt nicht mehr, um zu essen.

Das erklärt die Erfolglosigkeit der Medizin in gewissen Fällen. Da das Temperament eine Folge und keine Ursache ist, werden versuchte Anstrengungen, es zu modifizieren, zwangsläufig durch die moralischen Veranlagungen de Geistwesens gelähmt, der unbewusst Widerstand leistet und die therapeutische Wirkung neutralisiert.“

Z.B. Depression, Trinken, Drogen, usw.

Es ist nicht schlimm, dass man Schwäche hat. Aber der Wusch, diese Schwäche zu besiegen muss vorhanden sein.