Entbehrungen
Du lebst in einer Welt, in der Entbehrungen eine Konstante sind, die Unausgeglichenheit erzeugt und Gewalt fördert.
Die, welche geliebt werden möchten, geraten in einen
Gefühlsnotstand, weil sie sich nicht entschließen, selbst in brüderlicher
Gesinnung zu lieben.
Es gibt einen steten Mangel an Arbeitsstellen, weil
die Zahl derer zurückgeht, die gewillt sind, ehrenhaft gegen einen gerechten
Lohn zu arbeiten.
Vorherrschend ist ein Mangel an Gesundheit. Gründe
sind Übertreibungen in Dingen der Ernährung, schlechte Gewohnheiten und
geistige Auflehnung.
Verbreitet ist wirtschaftliche Not als Folge eines
Mangels an allgemeiner Solidarität in den wechselseitigen Beziehungen.
Vermehrt ist ein Mangel an Sicherheit festzustellen,
der aus der Missachtung der Freiheit des Nächsten erwächt, eine Auswirkung
überhandnehmender Zügellosigkeit.
Im Zunehmen begriffen ist ein Mangel an
Lebensmitteln in verschiedenen Gegenden, während in andern erschreckende
Verschwendungen herrscht.
Beinahe alle Menschen empfinden sich als bedürftig;
sie behaupten, nichts zu erhalten, obwohl sie zahllose Güter besitzen, welche
wirklich Bedürftigen anzubieten sie sich weigern.
Das Problem der Entbehrungen wurzelt in der Lieblosigkeit gegenüber dem Nächsten, dem Leben und der Pflicht.
Die Bequemlichkeit der einen ruft die Entbehrung der
andern hervor.
Der Egoismus weniger ist verantwortlich für die
Armut vieler.
Das Verlangen einzelner erzeugt die Bedürftigkeit
der Massen.
Bei allem muss man auch in Betracht ziehen, dass die
Erde noch kein Paradies ist, wo Wohlstand, Fülle und Friede eine Oase des
Entzückens geschaffen hätten.
Als Schule zur Vervollkommnung der Seelen schlägt
sie einen strengen Lebenslauf als wertvolle Lehre vor.
Niemand missachtet ungestraft die Anordnungen zur
eigenen moralischen und evolutiven Bildung. Es ist darum richtig, dass jeder
seine Lehrkurse besucht und sich in strengem Gehorsam müht.
Jeder Tag hat vierundzwanzig Stunden, Jahr um
Jahr...
Führe nie Müdigkeit als Ausrede an, noch stell dich
als entmutigt hin. Was du besitzest, fehlt andern Menschen. So wie du gerne ein
wenig von dem erhieltest, was andere im Überfluss besitzen, nimm dir vor, der
erste zu sein, der das Seine anbietet.
Lerne zu geben,
auf dass andere zu tauschen beginnen.
Die Erfahrung der Güte führt zum Brauch der
Solidarität, der in jedem Individuum schlafende edle Empfindungen weckt.
Beobachte die Weisheit der Natur, wie sie die
Barmherzigkeit des Vaters spiegelt.
Und tue desgleichen: inspiriere, sprich und handle,
an der Seite anderer, gegen die Not, indem du eine Zeit der Fülle eröffnest,
die allein die Liebe zu schaffen weiß.