„Die
Geister bilden, soweit sie mit materiellen Körpern umkleidet sind, die
Menschheit, die sichtbare Welt. Sobald
sie dieser Körper entkleidet sind, die geistige, unsichtbare Welt, welche den
Raum bevölkert und mit der wir ohne es zu ahnen, in Berührung kommen. Genau eben wie wir in Mitte der Welt der
unendlich Kleinen leben, deren Vorhandensein wir vor der Erfindung des
Mikroskops ebenso wenig vermuteten.
Die
Geister sind also keine bloßen philosophischen Abstraktionen, sondern konkrete
und in Dimensionen ausgedehnte Wesen, denen nur die Sichtbarkeit mangelt, um
den menschlichen Wesen zu gleichen.
Daraus folgt, dass, wenn in einem bestimmten Augenblicke der Schleier,
der sie unserem Anblicke entzieht, gehoben werden könnte, sie für uns eine
ganze, uns rings umgebende Bevölkerung bilden würden.“
Allan Kardec – Was ist der Spiritismus?
Der Mensch
Der Mensch besteht aus drei
Teilen:
1.
dem
Leibe, einem den Tieren analogen stofflichen Wesen, beseelt von demselben
Lebensprinzip;
2.
der Seele, also dem inkarnierten
Geist, dessen Wohnung nun der Leib ist, und
3. dem vermittelnden Prinzip oder Perispirit, einer halbstofflichen Substanz, die dem Geist als
nächste Hülle dient und Seele und Leib verbindet. So besteht auch eine Frucht aus Keim, Samenhülle und
Schale."
Seele und Geist
Was
ist die Seele?
Die Seele ist ein
inkarnierter Geist.
Sind Seele und Geister
identisch, also ein und dasselbe?
Die Seelen sind nur
Geister. Bevor sich eine Seele mit dem
Leibe vereinigt, ist sie eines der intelligenten Wesen, die die unsichtbare
Welt bevölkern und zeitweise zu ihrer Reinigung und Erleuchtung eine
fleischliche Hülle annehmen."
Wie
sind die Geister zu definieren?
,Die
Geister sind die intelligenten Wesen der Schöpfung. Sie bevölkern das All außerhalb der stofflichen Welt.' (Das Wort
Geist" bezeichnet hier die Individualitäten außer-. körperlicher Wesen und
nicht das allgemeine intelligente Element.)
Haben die Geister eine
bestimmte, begrenzte und dauernde
Gestalt?
.Für
eure Augen nicht, für die unseren ja. Sie ist, wenn ihr wollt, eine Flamme, ein
Schein oder ein ätherischer Funke. In der
Farbe wechselt sie für euch vom Dunklen bis zum Glanze des Rubins, je nach der
Reinheit des Geistes."
Ist
die Seele unabhängig vom Lebensprinzip?
Der
Leib ist nur die Hülle. Er kann als
Leib ohne die Seele existieren und dennoch verlässt ihn die Seele, sobald er zu
leben aufhört. Vor der Geburt besteht
noch keine endgültige Vereinigung zwischen Seele und Leib, während nach
dieser Einung der Tod des Leibes die Bande, die diesen mit der Seele verbindet,
zerreißt und die Seele ihn
verlässt. Das organische Leben kann
auch einen Körper ohne Seele beleben, aber die Seele kann nicht einen Körper
ohne organisches Leben bewohnen. Ein
Leib ohne Seele ist nur eine Fleischmasse ohne
Intelligenz, aber kein Mensch."
Die
Individualität der Geister/Der Perispirit
Bewahrt die Seele nach dem
Tode ihre Individualität?
Ja, sie verliert dieselbe
nie. Was wäre sie, wenn sie dieselbe nicht bewahrte?
Wie stellt die Seele dann
ihre Individualität fest, da sie doch ihren stofflichen Leib nicht mehr hat?
Sie hat noch ein Fluid als Eigentum, geschöpft aus dem Dunstkreis ihres Planeten, das die Spuren ihrer letzten Inkarnation enthält, ihren Perispirit“
Gibt es im Menschen noch
etwas anderes als Seele und Leib?
,Das Band, was Seele und
Leib verbindet."
Und was ist die Natur dieses
Bandes?
,Es ist halbstofflich, ein
Mittelding zwischen Geist und Körper, und so ist es notwendig, damit beide
miteinander verkehren können. Durch
dieses Band* wirkt der Geist auf den Stoff und umgekehrt.
Bemerkung: Dieses Band ist
auch „silberne Schnur“ genannt.
Die Befreiung
der Seele. Der Schlaf und die Träume.
Ruht sich die Seele während
des Schlafes gleich dem Leibe aus?
„Nein, der Geist ist nie untätig.
Während des Schlafes werden die Bande, die ihn an den Leib fesseln, lockerer.
Da der Leib jetzt des Geistes nicht bedarf, durchzieht er den Weltraum und
tritt in unmittelbare Beziehung zu den andern Geistern.“
„Wenn
der Leib ruht, besitzt der Geist mehr Fähigkeiten als während des Wachens. Er besitzt Erinnerung an das Vergangene und
hat zuweilen auch den Blick in die Zukunft.
Er kann mit anderen Geistern, sei
es auf dieser oder in der anderen Welt, in Verbindung treten. Oft
sagst du: ich hatte einen wunderlichen, einen schrecklichen, einen
unwahrscheinlichen Traum. Und doch ist
es oft eine Erinnerung an Orte und Dinge, die du gesehen hast oder sehen wirst
zu seiner Zeit. Wenn der Leib
erschlafft daliegt. sucht der Geist seine Ketten zu brechen, indem er
Vergangenes und Künftiges aufsucht.
Der Schlaf befreit die Seele teilweise vom Leibe, man
ist vorübergehend in dem Zustande, in dem man sich nach dem Tode bleibend
befindet. Die höheren Geister, die bei
ihrem Tode bald vom Stoffe befreit sind, suchen im Schlafe die Gesellschaft der
anderen höheren Wesen wieder auf. Sie
reisen, unterhalten und belehren sich mit ihnen, ja, sie arbeiten an Werken,
die sie dann bei ihrem Tode fertig vorfinden.
Aber die größere Menge der Geister, die beim Tode lange Stunden in jener
Verwirrung bleiben müssen, gehen im Schlafe teils auf noch niedrigere Welten
als die eurige, wohin alte Neigungen sie rufen, teils suchen sie noch
niedrigere Vergnügungen auf, als ihre irdischen waren. Was auf Erden die Sympathie erzeugt, ist nur
die Tatsache, dass man sich beim Erwachen zu denen hingezogen fühlt, mit denen
man acht oder neun Stunden des Glückes und der Freude verbracht hat. Unüberwindliche Antipathien werden dadurch
erklärt, dass man ja im Grunde seines Herzens weiß, dass jene Menschen ein
anderes Gewissen als wir haben, man erkennt sie, ohne sie je mit leiblichen Augen
gesehen zu haben. Und Gleichgültigkeit
erklärt sich dadurch, dass einem nichts an neuen Freunden liegt, weil wir
genügend besitzen, denen wir lieb und teuer sind. Kurz gesagt, der Schlaf hat auf euer Leben größeren Einfluss als
ihr meint.
Im Schlafe stehen die inkarnierten Geister
fortwährend in Verbindung mit der Geisterwelt, und darum sind höhere Geister
ohne großes Widerstreben bereit, sich unter euch zu inkarnieren. Gott hat es so gewollt, dass sie während
ihrer Berührung mit dem Laster wieder in de Urquell des Guten eintauchen
können, um sich nicht selbst zu verfehlen.'
Träume sind die Erinnerung an das, was euer Geist im Schlafe gesehen hat. Oft ist es aber nur die Erinnerung an die
Verwirrung, die euer Austritt oder eure Wiederkehr begleitet, verbunden
mit dem, was ihr getan oder gesehen habt.
Die Unsterblichkeit des Geistes
In
welchem Sinne soll man das ewige Leben verstehen?
,Das
Leben des Geistes ist ewig. Stirbt der
Leib, so tritt die Seele in das ewige Leben ein.
Reinkarnation
Wie kann die Seele, die während ihres Leibeslebens die Vollkommenheit noch nicht erreichte, ihre Reinigung vollenden?
,Dadurch,
dass sie sich der Prüfung einer neuen Existenz im Körper unterzieht."
Also
hat die Seele mehrere leibliche Existenzen?
,Ja,
wir alle haben mehrere leibliche Existenzen.
Was
ist der Zweck der Wiedereinverleibung?
,Die
Sühne, die fortschreitende Besserung der Menschheit."
Ist
die Zahl der Inkarnationen für alle Geister dieselbe?
Nein.
Schneller Fortschritt erspart Prüfungen.
Aber die sich folgenden Inkarnationen sind sehr zahlreich, denn der
Fortschritt ist fast ein unendlicher.'
Was
wird aus dem Geist nach seiner letzten Inkarnation?
Seliger Geist. Er ist dann reiner Geist.
Quelle:
Buch der Geister – Allan Kardec