Dr. Franz Anton Mesmer

 

 

Franz Anton Mesmer (1734-1815) aus lznang bei Radolfzell studierte eifrig Philosophie, Jura und Medizin. 1766 promovierte er mit einer umfangreichen Abhandlung über den Einfluss der Planeten auf den Menschen. Seiner Oberzeugung nach gibt es ein universelles Fluidum, in das alles Materielle, eingebettet ist. Außerdem entwickelte er, statistisch untermauert, Zusammenhänge zwischen bestimmten Stellungen der Planeten und des Mondes und verstärkt auftretenden Krankheiten.

 

Was Mesmer besonders auszeichnete: Er war stets bereit, seinen Wissenschaftshorizont zu erweitern. Neue experimentell gewonnene Erkenntnisse baute er in sein Gedankengut von der Wirkungsweise der Medizin ein. So beobachtete er 1774, wie der jesuitische Astronom Hell nach der von Paracelsus (1493-1541) propagierten Theorie eine an Gastritis leidende Patientin mit Erfolg behandelte. Dazu benutzte er Magnete, die er der Frau auf den Magen legte. Mesmer fühlte sich in seiner Ansicht von der Wirkungsweise des Magnetismus auf den Menschen bestätigt. Durch seine Erfahrungen als Arzt und Chirurg veränderte er aber bald seine Theorie. Nicht die Wirkung eines metallenen Magneten sei von medizinischer Bedeutung, sondern die Anziehungs- beziehungsweise die Abstoßungskraft des menschlichen Organismus selbst, die ein Körper auf den anderen ausübe. Bevor Mesmer mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit trat, führte er eine Reihe von Experimenten durch, die ihn bestätigten.

 

Begeistert: von seiner medizinischen Erkenntnis reiste Mesmer 1778 nach Paris, um vor der Akademie der Wissenschaft einen Vortrag zu halten. Der erhoffte Erfolg in Wissenschaftskreisen blieb freilich aus. Das lag nicht etwa daran, dass die Gelehrten die These vom menschlichen Magnetismus erörtert, diskutiert und dann verworfen hätten. Augenzeugen zufolge bestand das erlauchte Gremium vorwiegend aus Herren im weit vorgerückten Alter, die dem mit Begeisterung vorgetragenen Gedankengut erst gar nicht zuhörten. Sie unterhielten sich in Gruppen untereinander, und das - vermutlich wegen der Schwerhörigkeit vieler Teilnehmer - so laut, dass sich Dr. Franz Anton Mesmer erheblich in seinem Vortrag gestört fühlte.

Trotzdem gab Anton Mesmer nicht auf. Er suchte die Anerkennung durch die universitäre Wissenschaft. Wenn man schon seinen theoretischen Darlegungen nicht zuhörte, so würde doch gewiss eine praktische Demonstration jeden Zweifler überzeugen, dachte der eifrige Deutsche. Doch an so einer Vorführung bestand, in der Welt der Wissenschaft keinerlei Interesse. Erst als der Direktor der Akademie, der Wissenschaften einige Mitglieder des erlauchten Kreises dazu bewegen konnte, sich eine Demonstration Mesmers, anzusehen, änderte, sich das.

 

Die Anwendung des menschlichen Magnetismus war ein voller Erfolg - was; die behandelte Patientin, angeht. Er heilte, eine ,Wassersüchtige", deren Wasserablagerungen im Gewebe verschwanden. Die Patientin war ob der Heilung beglückt und dankbar, die Wissenschaftler bogen sich vor Lachen. Sie gingen erst gar nicht auf Mesmers Theorie ein, die sich vor ihrer aller Augen bestätigt zu haben schien. Die Heilung sei lediglich auf die Einbildungskraft der Patientin zurückzuführen.

 

Mesmer wandte sich nun an die Ärzteschaft. Er glaubte, dass die praktischen Mediziner, denen doch das Wohl der Patienten über alles gehen müsse, seine Erfolge anerkennen würden. Und Mesmers Erfolge waren nun einmal unbestreitbar. So heilte er eine junge blinde Frau, die als Dreijährige das Augenlicht verloren, hatte. Mesmer gab es ihr zurück.

 

Mesmers Thesen, Mesmers Praxis

 

Solche Erfolge, meinte er, würden doch gerade Kollegen überzeugen, die - wenn sie als gute Ärzte das Wohl der Patienten im Sinn hatten stets auf der Suche nach neuen, besseren, Heilverfahren sein müssten. Deshalb veröffentlichte Mesmer seine neue Lehre in 27 Thesen. Sie weisen ihn als einen Wissenschaftler aus, der fest verwurzelt in uralter esoterischer Tradition steht. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

1.      Das Weltall wird in seiner Gesamtheit von einem vollkommenen, beweglichen Stoff von unvergleichlicher Feinheit durchdrungen.

 

2.      Diese Kraft wirkt im Großen (Universum; Stern; Planet etc.) wie im Kleinen (Mensch; Tier; Stein). Wenn die Kraft in einem Menschen aus dem Gleichgewicht gerät, also nicht mehr harmonisch verteilt ist, erkrankt der Mensch.

 

3.      Aufgabe des Arztes ist es, diese Disharmonie zu beheben und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Dies geschieht durch Zufuhr der geheimnisvollen Kraft.

 

4.      Der Magnetiseur ist es, der die innere Ausgewogenheit durch Zuführen der Kraft wiederherstellt und so den Patienten heilt. Voraussetzung hierfür ist, dass er die Kunst des Magnetisierens vollkommen beherrscht, die dafür zur Verfügung stehende Technik praktisch anwenden kann. Er muss erkennen, ob er bei einem Patienten je nach Zustand die ihm innewohnenden Kräfte verstärken oder abschwächen muss.

 

5.      Der Magnetiseur nimmt wie eine Batterie die das Universum durchströmende Kraft auf. Er kann sie an seine Patienten weitergeben oder ein Zuviel an Energie von einem Patienten übernehmen.

 

Dr. Franz Anton Mesmer erkannte wohl intuitiv, dass seine Bemühungen um Anerkennung in der Welt der Wissenschaft und bei den Kollegen zum Scheitern verurteilt waren. Er drohte manchmal daran zu verzweifeln, wenn er erkennen musste, dass es eine inhaltliche Auseinandersetzung mit seiner neuen Lehre gar nicht gab. Ihm wurde eine Behandlung zuteil, die auch heute noch gegenüber Querdenken angewandt wird. Zunächst ignorierte ihn die Welt der Wissenschaft. Als Mesmers Wirken in der breiten Öffentlichkeit durch unbestreitbare Erfolge bekannt wurde, hieß es immer häufiger: Was dieser Mesmer lehrt, das ist ja gar nicht neu.

 

Mesmer beugte sich dem Druck der Hilfe suchenden Patienten. Er eröffnete in Paris am Palace Vendome eine Praxis und begann mit seiner Arbeit ,,am Zuber". Die ,Medizinische Gesellschaft" beschrieb in ihrem Bericht eine typische Behandlung wie folgt: „Im Saal steht ein runder Bottich aus Eichenholz, ein oder anderthalb Fuß hoch. Der heißt Zuber. Der Deckel ist mit einer Reihe Löcher versehen, aus denen bewegliche Eisenstäbe mit Handgriffen herausragen. Die Kranken sitzen in mehreren Reiben rund um den Zuber und jeder hat seinen Stab, der mit dem Griff direkt auf die kranke Körperstelle gelegt wird. Ein Seil um ihre Körper verbindet die Kranken untereinander. Manchmal bildet man eine zweite Kette, indem man sich an den Händen hält. Alle, die magnetisieren, haben einen zehn bis zwölf Daumen langen Eisenstab. Die Kranken beeinflusst man durch den Blick und das Berühren mit den Händen und durch Fingerdruck auf Milz und Unterleib."

 

Mesmers Scheitern

 

Mesmers Behandlungsweise erfreute sich bei den Patienten höchster Beliebtheit. Die Kranken standen Schlange, um nach der neuen Methode behandelt zu werden. Häufig soll es noch in den Behandlungsräumen zu euphorischen Freudenausbrüchen wegen deutlich spürbarer Besserung des Wohlbefindens gekommen sein. Endlich sah sich auch die Welt der Wissenschaft genötigt, sich ,wissenschaftlich" mit dem Mesmerismus auseinander zu setzen. Zwei Gremien wurden gebildet, deren Meinung schon vor Beginn der ,Untersuchung" längst feststand: Mesmerismus war Scharlatanerie. Deshalb hielt man es auch für vollkommen. überflüssig, die Effektivität der neuen Lehre anhand von Krankenberichten zu überprüfen. Bei der Vielzahl von Menschen, die nach den Lehren Mesmers behandelt worden waren, wäre es ein Leichtes gewesen zu eruieren, ob die Methode nun wirkte oder nicht.

 

Das Urteil der Gremien, veröffentlicht am 11. und 16. August 1784, fiel vernichtend aus: Mesmerismus sei nicht erwiesen, die Therapiemethoden seien ,unnütz", ja ,gefährlich" und müssten verboten werden. Dabei konnte es keinen Zweifel an den Erfolgen Mesmers und seiner Schüler geben. Sie wurden auf „Berührung, Fantasie und Nachahmung" zurückgeführt. Unbeantwortet blieb die zentrale Frage, wieso denn der Scharlatan Mesmer Patienten heilen konnte, die von den Vertreter der herkömmlichen Medizin ,,richtig", aber ohne Erfolg behandelt worden waren.

 

Die vernichtenden Urteile der Gremien wurden in einer für damalige Zeiten horrenden Auflage von 80 000 Exemplaren gedruckt und unters Volk gebracht. Darüber hinaus unterstellte man Mesmer noch Verbindungen zu subversiven Geheimbünden, ohne jedoch auch nur die Spur eines Beweises vorlegen zu können. Mesmer behandelte weiter, verlor aber viele seiner Patienten, die den vermeintlich wissenschaftlichen Gremien Glauben schenkten. Von nun an sah er sich von vielen Ärztekollegen geradezu mit Hass verfolgt.

 

 

 

Quelle:

Das große Buch der Esoterik – Walter-Jörg Langbein