Davis, Andrew Jackson (1826-1919)

genannt der Seher von Poughkeepsie

 

Davis, Sohn eines armen Flickschusters in Poughkeepsie, New York, hatte so gut wie keine Schulbildung genossen. Schon als Junge erlebte er geheimnisvolle Visionen, behauptete in trance das paradies gesehen zu haben.

 

1843 erkannte der Hypnotiseur Levington, dass in dem jungen Mann geheimnisvolle Kräfte schlummerten. Durch Hypnose in trance versetzt, wurde er zum „Medium“.

 

1843 lernte Davis einen herumreisenden Mesmeristen, den Elektro-Biologen und Professor der Jurisprudenz  J. Stanley Grimes in Poughkeepsie, kennen, der mesmerische Kuren mit Phrenologie verbunden praktizierte. Grimes versuchte zunächst vergeblich, Davis zu mesmerisieren, später aber gelang dem Dorfschneider das Kunststück.

 

Davis entdeckte dabei, dass ihm in diesem Zustand Menschen durchsichtig erschienen und er ihre Krankheiten diagnostizieren konnte.

Er arbeitete nun selbst als Heiler: mit Rezepten der Volksmedizin und medialer Diagnose in den beiden von ihm gegründeten Hellseh-Kliniken. 1886 promovierte er in Medizin.

 

1845 begann Davis sein philosophisches Hauptwerk The Principles of Nature (Die Prinzipien der Natur) in Trance zu diktieren: ein umfangsreiches Buch, eine seltsame Mischung aus poetisch-visionärer Kosmologie und frühsozialistischem Gedankengut. Er fühlte sich ein gehorsames Werkzeug von Geistern. Das komplexe Weltbild, das sie über ihn zu Papier bringen ließen, ist zutiefst esoterisch. Selbst einige von Davis’ härtesten Gegner mussten nach der Lektüre von „Die Prinzipien der Natur“ zugeben, dass ein ungebildeter Mensch wie Andrew so ein umfangreiches wissenschaftstheoretisches Werk eigentlich gar nicht zu Stande bringen können dürfte.   

 

Davis entwarf ein geradezu kosmisches Weltbild. Er beschrieb das Universum als Summe von unendlich vielen Welten, als eine gewaltige Einheit. Diese Gesamtheit funktioniert wie eine riesige Maschine, wie ein Komplexer Computer. Materie entwickelt sich darin von einfachen Formen, immer nach Vervollkommnung strebend. Es findet eine Entwicklung vom Stoff zur Pflanze, weiter zum Tier hin zum Menschen statt. Gleichberechtigt in dieser Welt sind die Bereiche der Lebenden und der Toten. Und zwischen beiden Welten, so Davis, sei Kommunikation möglich. Die Toten können zu den Lebenden sprechen, zum Beispiel durch Medien. 

 

Offenbart wurden ihm diese Kenntnisse 1844 in einer Trancesitzung durch 3 höhere Geister, einer davon war Swedenborg, ein anderer Galen. Tatsächlich finden sich Übereinstimmungen zwischen Texten Davis' und Swedenborgschen Schriften - es lässt sich aber kaum klären, welche Bücher Swedenborgs Davis gekannt haben könnte.

 

Manche seiner astronomischen Behauptungen verblüffen. So spricht Davis von 9 Planeten, Pluto wurde aber erst 1933 entdeckt. Er behauptete auch der Planet Saturn sein von Menschen bewohnt, die weiterentwickelt seien als die auf der Erde lebenden. Auf Mars und Jupiter sollte es ebenso menschliche Zivilisationen, auf Merkur und Venus jedoch nur primitive Menschen geben.

 

Die Anfänge der spiritistischen Bewegungen in den USA gehen mit der Publikation von Jackson Davis’s Schrift Nature’s Divine Revelations auf das Jahr 1847 zurück. Davis verstritt darin den Standpunkt, dass der menschliche Geist nach dem Tod des Körpers am leben bleibe und nur in eine andere Welt oder „Sphäre“ gelange. Nach Davis kann der Geist eines Menschen, solange er existiert, mit seinen Angehörigen, die er auf der Erde zurückgelassen hat, in Verbindung treten.

 

Noch im selben Jahr bekam Davi’s Theorie Unterstützung durch die Phänomene von Hydesville.

Die Hydesville-Ereignisse bewogen Davis und die Mitarbeiter seiner Zeitschrift The Univercoelum (Wortprägung nach Swedenborgs universum coelum, Allhimmel) sich verstärkt der Propagierung und Kommentierung des Spiritismus zuzuwenden.

 

Mit dem von Davis eingeführten Summerland, dem paradiesischen Jenseits, liegt ein mittlerweile klassisches Bild der spiritistischen Erfahrung vor:

Dutzende von Medien nach Davis berichteten von dieser spirituellen Welt, die zum Teil aus den Wünschen ihrer Bewohner geschaffen wurde, wie Blundsdon (1961) definiert.

 

Parapsychologisch interessant sind Davis' mediale Diagnosen und die Behauptung, beim Automatischen Sprechen hätte er sich unter anderem eines korrekten Hebräisch bedient.

 

Von seinen Schriften ist die „Philosophie des Verkehrs mit Geistern“, 1851, als Hauptwerk zu betrachten. In diesem schloss er sich in der Erklärung der Geisterwelt an Swedenborg an, fügte aber noch Einzelheiten hinzu, wie z.B. die Schilderung der Loslösung des Astralkörpers.

 

 

 

Quellen:

Das große Buch der Esoterik – Walter-Jörg Langbein

okkult.purespace.de/esoterik/spiritismus.htm

Sphinx Lexikon der Esoterik

Lexikon der Esoterik – Helmut Werner